Selbstverständnis

SELBSTVERSTÄNDNIS DER JUNGEN LINKEN

Wir Jungen Linken sind die einzige bundesweite Jugendorganisation, die am Aufbau einer neuen linken Kraft arbeitet. Wir wollen am Aufbau einer breiten und vielfältigen Partei arbeiten, die fest in der Gesellschaft verwurzelt und im Parlament vertreten ist. Eine starke linke Partei, die den Menschen die Hoffnung und die Werkzeuge gibt, gemeinsam eine bessere Welt zu bauen.

Es braucht eine starke Linke, um der rechten Politik für die Reichen und Konzerne etwas entgegenzusetzen. Rassismus, Vorurteile und Angstmacherei sind das Schmiermittel für rechte Politik. Die Politik der Rechten schadet uns allen: Sie spielen uns gegeneinander aus. Gleichzeitig untergraben sie die Demokratie, und zerschlagen unsere Rechte und Freiheiten.

Als linke Jugendorganisation wollen wir dem etwas entgegensetzen, indem wir uns vernetzen, junge Menschen für linke Politik begeistern und gemeinsam Perspektiven erarbeiten, was wir hier und jetzt machen können.

Unsere Vision als Orientierung

Wir wissen, dass eine andere Welt möglich ist. Eine Welt, in der Wohlstand allen zukommt, der technologische Fortschritt allen Menschen dient und es nicht um Profite geht. Der Kapitalismus erzeugt Reichtum und zugleich unsägliche Armut. Doch der Kapitalismus ist kein Naturgesetz. Armut, Diskriminierung und Ausgrenzung können überwunden werden: eine solidarische Gesellschaft ist möglich. Das Glück aller Menschen ist eine politische Entscheidung. Zu dieser tragen wir unseren Teil bei.

Es ist absurd, dass wir in einem Wirtschaftssystem leben, in dem die neun reichsten Menschen gleich viel besitzen wie die ärmere Hälfte aller anderen Menschen zusammen. Auch in Österreich gehört den reichsten 5% fast 60% des Reichtums. Reichtum an sich ist nicht das Problem, vielmehr soll er allen Menschen zukommen. Jedes fünfte Kind in Österreich ist armutsgefährdet. Ein System, das zu Hunger, Neid und Krieg führt, unsere Umwelt verschmutzt und unseren Planeten zerstört, muss durch ein besseres ersetzt werden. Erst dann werden alle Menschen wirklich gemeinsam und selbstbestimmt leben, lieben und arbeiten können.

Es geht darum den Kapitalismus zu hinterfragen und zu kritisieren, aber es geht auch darum Stück für Stück die Welt und das Leben vieler Menschen zu verbessern, und manchmal auch darum schlimmste Entwicklungen zu verhindern. Das einzig Vernünftige ist, eine Linke aufzubauen, die diese Probleme auch grundlegend angeht. Das heißt einerseits, sich auf das harte Handwerk der Überzeugungsarbeit einzulassen und eine Sehnsucht nach einer anderen Welt zu wecken. Es heißt andererseits, dass wir im Kleinen beginnen müssen, das Leben für uns alle besser zu machen: Nur wenn wir es schaffen, als Linke nützlich zu sein, indem wir Schritt für Schritt einen Unterschied im Leben der Menschen machen, werden sich viele davon überzeugen lassen, dass man die Gesellschaft tatsächlich zum Guten verändern kann. Die Herausforderung wird sein, in den kleinen Auseinandersetzungen und Projekten und in der alltäglichen politischen Arbeit unsere großen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

Wir lernen aus unserer Geschichte

Ein großer Teil von uns Jungen Linken kommt ursprünglich von den Jungen Grünen, die von der Bundespartei der Grünen ausgeschlossen wurden. Einige sind als bisher Unabhängige neu zu uns gestoßen und ein Teil war bereits als Junge Linke organisiert. Gemeinsam war und bleibt das Ziel, eine starke Linke aufzubauen, die gesellschaftliche Mehrheiten für linke Politik möglich macht.

Die Jungen Grünen waren die größte Ehrenamtlichen-Organisation innerhalb der österreichischen Grünen. Doch anstatt Menschen zu organisieren und ihre verkrusteten Strukturen zu öffnen, hat die Grüne Partei ihre Inhalte und ihren Willen zu gesellschaftlichen Veränderung dem Erhalt von Macht und eigenen Jobs geopfert. Dies führte schlussendlich auch zu ihrem politischen Scheitern, aus dem wir lernen wollen: Wir brauchen eine klare Vorstellung gesellschaftlicher Veränderung sowie Strukturen, die Menschen für politische Arbeit begeistern und viele einbinden, anstatt Frust und Ohnmacht zu erzeugen.

Solidarität ist kein Akt der Barmherzigkeit

Als Mitglieder einer Gesellschaft sind wir alle aufeinander angewiesen. Ob in der Schule, der Uni, der Arbeit oder in der Familie: Jede und jeder einzelne hat etwas davon, wenn wir solidarisch Zusammenleben. Denn mehr als 95% der Menschen leben nicht davon, dass sie Reichtum besitzen, sondern müssen schwer arbeiten und sind schlecht dran, wenn die schwarz-blaue Politik der Sozialkürzungen den Konzernen Gewinne bringt.

Solidarität ergibt sich nicht nur aus einer Idee der Humanität, sondern wird durch die Gesellschaft zu einer Notwendigkeit: wir brauchen eine Gesellschaft, in der niemand zu kurz kommt, sonst laufen wir auch immer selbst Gefahr, auf der Strecke zu bleiben. Solidarität ist ein praktisches Instrument des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Wir können einander helfen und viel voneinander lernen. Wir brauchen eine Welt, in der alle die gleichen Rechte haben, und alle Ungerechtigkeiten bekämpft werden. Wir setzen uns ein für eine Politik, die allen nutzt – denn nur so können wir sicher sein, dass wir selbst auch etwas davon haben.

Bildung ist nicht Wissen, Bildung ist Verständnis

Wir Jungen Linken haben nicht die einzig wahre Lehre im Angebot, sondern wir lernen täglich dazu. Wir wollen nicht belehrt werden und auch nicht andere belehren, sondern die Möglichkeit schaffen, dass jede und jeder selbst verstehen kann. Die Welt, in der wir leben, kann nur verstanden werden, wenn man ihre Entstehung und ihre Gegenwart versteht. Lediglich Sachen zu wissen und Fakten zu kennen ist keine Bildung. Für Bildung ist es ebenso essentiell Vorgänge zu verstehen und einordnen zu können. Deshalb legen wir viel Wert auf eine Vielfalt an unterschiedlichen Zugängen und Methoden in unserer Arbeit.

Organisierung ist notwendig

Nur wenn wir viele Menschen organisieren, werden wir etwas verändern. Organisation heißt für uns gemeinsame Ziele und Positionen demokratisch zu erarbeiten und zu beschließen. Wir machen lokale Organisierungsarbeit, Aktionen, Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit. Wir feilen an unseren Positionen, Ideen und Strategien, vernetzen uns sowohl international als auch lokal und versuchen, ein breites Angebot an Bildungsarbeit zu ermöglichen. Wir arbeiten am Aufbau einer Linken die stark in der Gesellschaft verwurzelt, und auch in den Parlamenten und Gemeinderäten vertreten ist. Dabei arbeiten wir mit möglichst vielen Kräften zusammen.

Linke Politik soll keine Jugendsünde sein. Wir arbeiten an einer Linken, die kein Projekt für unter 30-Jährige alleine bleibt. Strukturiertes Arbeiten und einladende Räumlichkeiten schließen Freude an der Politik nicht aus, sie machen sie sogar erst möglich: Nur wenn wir vielen Menschen Lust auf Politik machen und selber dabei Spaß haben, können wir unsere Ziele erreichen. Wir nehmen unsere Anliegen ernst, ohne dabei verbissen zu sein. Wir wollen unsere politische Arbeit niederschwellig und einladend gestalten. Denn erst dadurch wird allen ermöglicht sich wirklich einzubringen.

Unsere Grundsätze und Schwerpunkte

Wir verstehen uns als linke Organisation mit den Grundsätzen: demokratisch, solidarisch, feministisch, antikapitalistisch, basisdemokratisch, gewaltfrei, antifaschistisch, antinational, selbstbestimmt, egalitär und ökologisch. Unsere Grundsätze beinhalten, dass wir gegen jede Form von Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie und Diskriminierung auftreten.

Beschlossen beim Bundeskongress der Jungen Linken am 08. bis 10. Juni 2018 in Linz