Starke Bezirke für eine starke Linke

Antrag zu einer Bezirksstrategie für Junge Linke Wien 
Antragssteller*innen: Julia Prassl, Max Veulliet, Theresa Schlag, Lukas Wurzinger, Jakob Hundsbichler, Karolin Hofbauer, Serafin Fellinger

beschlossen am 09.11.2019

Politische Zukunft hat, wer lokal stark verankert ist. Als Junge Linke Wien sind wir dabei auf einem guten Weg. Junge Linke Bezirksgruppen in Wien gibt es seit etwas mehr als einem Jahr. Waren es am Anfang sechs Bezirksgruppen, gibt es nun schon welche in zwölf Bezirken. Beim ersten Landesausschuss im März gab es den Beschluss, bis zu diesem Landeskongress das bisher erlernte, erlebte und erschaffene zu reflektieren und in einer Bezirksstrategie zu verarbeiten. Damit sollen Maßnahmen, Standards und Perspektiven für die nächste Zeit diskutiert und beschlossen werden.

Aktuelle Herausforderungen

Im Bezirksgruppenalltag sind wir regelmäßig mit Herausforderungen konfrontiert. Sei es in der Kommunikation zwischen Mitgliedern, zu Aktiven und Interessierten, sei es, dass es keine eigenen Räume für Treffen gibt, dass coole Projekte geplant, aber nicht umgesetzt werden können oder dass durch stetig neue Bezirksgruppen mit stetig neuen Aktiven sich nur langsam Kontinuität herausbilden kann. 

Wenn wir im kommenden Jahr weiterhin erfolgreich unsere Ziele am Weg zum Aufbau einer starken linken Kraft erreichen wollen, dann müssen wir uns fragen, wie wir mit eben diesen Herausforderungen umgehen. Strategisch wollen wir vor allem folgende Bereiche angehen:

  • Soziales: Unsere Bezirksgruppen in Wien wachsen schnell. So schnell, dass die meisten Bezirksgruppen sich bereits mehrfach personell verändert haben. Gleichermaßen tragen Alters- und Erfahrungsdifferenzen zwischen Aktiven zu einer sich nur langsam herausbildenden Gruppenzugehörigkeit bei. Daran müssen wir arbeiten, um politisch wirkmächtiger zu werden.

  • Infrastruktur: Je mehr Junge Linke Bezirksgruppen über die Stadt verteilt sind, umso schwieriger wird es für uns, helle, schöne und konsumfreie Räume für Diskussionen und Treffen zu finden.  Daher müssen wir noch mehr versuchen, sie uns selber zu schaffen.

  • Kommunikation: Wir sind so erfolgreich, dass wir in Wien jetzt bereits oft mehrere Veranstaltungen an einem Tag haben. Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, macht aber auch die Kommunikation zu einer Herausforderung. Um weiter wachsen zu können, müssen wir auch unsere Möglichkeiten verbessern, Informationen über unsere Aktivitäten an Mitglieder und Interessierte zu bringen.  

  • Betreuung und Ausbildung: Bezirksvorstand zu sein ist eine große Verantwortung. In den Bezirksgruppen findet der Großteil des Verbandslebens statt, hier finden neue AktivistInnen Anschluss, es entstehen frische Ideen und in hier entscheidet sich auch, ob wir unser Verbandsziel, vor allem vor Ort stark zu werden und viele Leute zu organisieren, auch erreichen. Daher entscheidet sich im Bezirk, ob Junge Linke ein erfolgreiches Projekt sein können oder nicht. Bezirksvorstände erfüllen in Ihrer Position auch eine wichtige Führungsrolle und müssen das notwendige Handwerkszeug erlernen können, um diese Aufgabe zu erfüllen.

Konkrete Maßnahmen, konkrete Ziele

Angesichts der genannten Herausforderungen legen wir im Rahmen der Bezirksstrategie für Junge Linke Wien folgende Maßnahmen und Projekte fest.

  • Gemeinsame Aktivitäten fördern, soziale Funktion der Bezirksgruppe hervorheben:

    • Wir wollen ausbauen, was bereits jetzt gut funktioniert. Das wöchentliche Fußballspielen ist bereit ein Fixpunkt geworden. Vorstellbar für 2020 sind unter anderem ein Chor, eine Theatergruppe und Kinoabende angedacht. Das entlastet auch die politischeren Treffen der Bezirksgruppen.

    • Wie eine Bezirksgruppe zu einer richtigen Gruppe werden kann, ist jeweils sehr spezifisch. Die soziale Komponente in den Bezirken soll unter anderem durch einfache Formate wie Spieleabende gestärkt werden. Ebenso soll es mehr öffentliche Aktionen geben.

  • Spannende Projekte in jedem Bezirk

    • Neue und größere Projekte sind wertvolle Erfolgsmomente für Bezirksgruppen. Sie stärken damit ihr Gemeinschaftsgefühl, können neue Aktive einbinden und Vorbild für andere Bezirksgruppen sein. Der Landesvorstand unterstützt hier bei der Umsetzung. 

    • Mit Hilfe einer Formatsammlung sollen gute Ideen einfacher umzusetzen sein.

    • Solche Projekte sind auch die Schaffung von eigenen, schönen und hellen Räumen.

  • Kommunikation vereinfachen:

    • Mit dem bundesweit arbeitenden Welcome Team wollen wir beim Einbinden von Neuinteressierten noch besser werden. Durch ideale Abstimmung mit den Bezirksvorständen soll es allen, die bei Junge Linke mitmachen wollen, möglichst einfach werden, bei uns anzudocken.

    • Mit Vorlagen, klaren Abläufen und Tipps & Tricks durch den Landesvorstand wird das Verschicken von wöchentlichen Infos an Mitglieder und Aktive erleichtert.

  • Netzwerke und Skills stärken

    • Junge Linke funktionieren nur zusammen. Bereits mit diesem Herbst startet unser wöchentlicher Barabend, wo Aktive aus allen Bezirken in lockerem Rahmen zusammenkommen und sich austauschen können.

    • Zudem stärken wir unsere Netzwerke in den Bezirken. Sei es durch Kontakt zu lokalen Initiativen, sei es auf der Suche nach schönen Räumen für unsere Treffen. Damit werden wir bekannter und präsenter.

    • Durch gezielte Ausildungsangebote sollen außerdem die Bezirksgruppenvorstände gestärkt werden.

Mit Blick auf das kommende Jahr ist außerdem wichtig, dass die Bezirksgruppen selber Perspektiven über ihre Gründung hinaus haben. Darauf können die dort Aktiven gemeinsam hinarbeiten. Im Rahmen von Bezirksklausuren sollen deshalb Ziele für die Bezirksgruppen entwickelt werden.

Was die Zukunft bringen kann

Bei unserer Gründung haben wir festgelegt, dass wir bis 2022 400 Junge Menschen in Wien organisieren wollen. Wir sind auf dem besten Weg, das zu erreichen. Dafür müssen wir aber bereits jetzt Perspektiven festlegen, die über die bestehenden Bezirksgruppen hinausgehen.

In manche Bezirke sind wir so erfolgreich, dass wir 2020 wohl bereits zwei Bezirksgruppen haben werden, während wir in manchen Bezirken wie der Inneren Stadt schwerer Fuß fassen können und es vielleicht auch übernächstes Jahr dort noch keine Gruppe geben wird. Das liegt auch daran, dass wir bei Bezirksgruppen meistens sehr auf die Wohnorte von Mitgliedern angewiesen sind. Deshalb sollten wir genau planen, wann wir welche Bezirksgruppen gründen wollen. Dabei machen auch strategische Überlegungen Sinn. Mit der vorliegenden Bezirksstrategie sollen folgende Überlegungen festgehalten werden:

  • Rudolfsheim (Penzing): Im Bereich zwischen Westbahnhof und Johnstraße wohnen bereits jetzt viele Junge Linke, die im Moment auf verschiedene Bezirksgruppen aufgeteilt sind. Bei anhaltendem Wachstum soll hier bis Sommer 2020 eine Gruppe entstehen.

  • Favoriten: Favoriten ist der bevölkerungsmäßig größte Bezirk Wiens. Bereits jetzt gibt es dort eine stabile, größere Gruppe. Um dort noch mehr Leute anzusprechen, soll es mittelfristig eine zweite Gruppe in Favoriten geben.

  • Leopoldstadt: In der Leopoldstadt wohnen viele junge Menschen, die wir ansprechen können. Außerdem ist der Bezirk flächenmäßig so groß, dass auch räumlich zwei Bezirksgruppen Sinn machen, zum Beispiel “Taborstraße” und “Stuwerviertel”.

  • Floridsdorf: Der zweite große Bezirk über der Donau ist von uns im Moment kaum erschlossen. Noch gibt es nur wenige Interessierte, die dort wohnen. Politisch wäre eine Entwicklung dort langfristig sehr sinnvoll.

  • Alsergrund (Währing): Die Bezirksgruppe Alsergrund ist auch nach der Gründung der Bezirksgruppe Josefstadt noch sehr groß. Das ist unter anderem der Uninähe, aber auch dem großen Einzugsgebiet mit Währing und Döbling geschuldet. Bei ambitionierten Vorbereitungen kann auch hier bis Sommer 2020 eine zweite Gruppe beziehungsweise eine Gruppe in Währing entstehen

Mehr als die Summe der einzelnen Teile

Gemeinsam können wir mehr erreichen. Mit der vorliegenden Bezirksstrategie beschließen wir Junge Linke Wien auch erneut, dass die Bezirksgruppen das wichtigste Element beim Aufbau einer starken Linken sind. Das soll sich in Zukunft weiterhin in der Arbeit von Junge Linke Wien widerspiegeln.

Beschluss

Der Landeskongress der Jungen Linken Wien beschließt den vorliegenden Text als Strategie für die Bezirksgruppen in der Stadt.

Es werden folgende Punkte hervorgehoben:

  • Soziale und kulturelle Angebote von Junge Linke Wien werden gefördert und ausgebaut.

  • Der Landesvorstand unterstützt die Bezirksgruppen bei der Planung von größeren Projekten.

  • Die Kommunikation von Bezirksgruppen soll vereinfacht werden, Netzwerke von Junge Linke Wien-Bezirksgruppen gestärkt werden.

  • Bezirksvorstände erhalten Ausbildungsmöglichkeiten, um ihre verantwortungsvolle Arbeit bestmöglich umzusetzen.

  • Der Landesvorstand richtet seine alltägliche Arbeit darauf aus, Bezirksgruppen optimal zu unterstützen. Bei neuen Bezirksgruppen soll ein ein strategischer Fokus auf die genannten Bezirke gelegt werden.