Die Schule ist kaputt – Wir helfen nach!

Antrag zum Lernnetz – der kostenlosen Nachhilfe
Antragsteller*innen: Sarah Pansy, Simon Neuhold, Tanja Reiter, Teresa Griesebner, Tobias Kohlberger, Emily Draper, Fiona de Fontana, Lukas Wurzinger, Nikolaus Laurer, Sara Sturany, Ralf Schinko

Wenn jedes dritte Kind Nachhilfe braucht, stimmt etwas mit der Schule nicht. 101 Millionen Euro legen Familien jedes Jahr für Nachhilfe auf den Tisch. Aber daran muss sich etwas ändern. Deshalb haben wir das Lernnetz gestartet – die kostenlose Nachhilfe!

Wir wollen uns und unsere Bildung nicht weiter in arm und reich spalten lassen, sondern eine Schule, die alle Schüler*innen fördert. Unsere Zukunft darf nicht vom Geldbörserl der Eltern abhängen. Deshalb werden wir jetzt selbst aktiv – mit dem Lernnetz!

Die Schule ist kaputt
Das österreichische Schulsystem ist ungerecht. Kinder mit reichen Eltern werden gefördert, während andere auf der Strecke bleiben. Schüler*innen werden in der Schule nicht gut betreut, fallen aus verschiedenen Gründen mit dem Stoff zurück, werden schikaniert, oder haben wegen zu geringem Wohnraum zuhause keinen Schreibtisch, an dem sie ihre Hausaufgaben gut erledigen können.

Schüler*innen verlieren – die Nachhilfe-Industrie kassiert
Die Nachhilfe-Industrie profitiert vom kaputten Schulsystem und kassiert jährlich 101 Millionen Euro. Das geht auf Kosten der Zukunft von tausenden jungen Menschen. Besonders Familien mit niedrigem Einkommen, Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund trifft die finanzielle Belastung am härtesten. Für einige ist diese teure Nachhilfe überhaupt unleistbar. 40.000 Schüler*innen hätten 2019 Nachhilfe gebraucht – aber haben keine bekommen.

Lernnetz – die kostenlose Nachhilfe
Mit dem Lernnetz wollen wir Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich beim Lernen für den Schulabschluss unterstützen. Zu uns können alle kommen, die Unterstützung brauchen. Das Lernnetz soll gerade diejenigen auffangen, die sonst auf der Strecke bleiben und sich keine Nachhilfe leisten können. 

Lernnetz-Zentren gründen
Viele Schüler*innen haben zuhause keinen ruhigen Ort, wo man in Ruhe lernen und Hausarbeiten machen kann. Noch öfter haben sie niemanden, der sie dabei unterstützt. Bis jetzt haben wir Junge Linke wegen Corona Nachhilfe fast nur online vermittelt und das bieten wir auch weiter an. In einigen Bezirksgruppen der Jungen Linken kam die Idee auf, ein lokales Lernnetz-Zentrum aufzubauen, in dem man sich treffen kann und vor Ort gemeinsam lernt. Ein Zentrum hat im besten Fall ein bis zwei Mal pro Woche fixe Öffnungszeiten. Jede und jeder kann dort hinkommen, um eigenständig seine Aufgaben zu erledigen, aber sich dort auch Nachhilfe-Stunden mit jemanden vom Lernnetz ausmachen. Es gibt Lernbücher, Kaffee, Snacks und neben einem Raum zum Arbeiten auch einen, um Pause zu machen und gemütlich zu quatschen. Ein Lernnetz-Zentrum kann gleichzeitig der Ort sein, wo junge Menschen mit Politik und einer Kritik am Schulsystem und unserer Gesellschaft in Berührung kommen: Sei es beim Austausch über die eigene Situation in der Schule oder einer politischen Abendveranstaltung nach dem Lerntreffen.

Kampagne zum Schulstart 
Mit unserer Kampagne „Die Schule ist kaputt – Wir helfen nach!” wollen wir viele Schüler*innen ansprechen. Wir wollen das Lernnetz in den Medien sichtbar machen und damit in Schulen zum Thema Nr. 1 werden. Wir setzen uns zum Ziel, gemeinsam in allen Bezirksgruppen der Jungen Linken mit Veranstaltungen und Flyer-Aktionen Aufmerksamkeit für das Lernnetz zu gewinnen. Wir organisieren einen gemeinsamen Start bei Auftaktveranstaltungen vom 11.-13. September in den Bundesländern, die Eröffnung eines ersten Lernnetz-Zentrums, Verteilaktionen vor Schulen, Infostände und setzen bundesweit das klare Zeichen: Wir sagen der Nachhilfe-Industrie den Kampf an. Wir helfen uns selbst! 

Mehr als Hilfe: Organisierung
Das Lernnetz soll aber gleichzeitig über eine bloße Hilfsinstitution hinausgehen. Es geht nicht nur um den Lernerfolg, sondern auch darum, das Gefühl zu schaffen, dass man zusammen etwas erreichen kann. Dass man nicht versagt hat, sondern im Gegenteil, gemeinsam eine große Hürde überwunden hat und stolz auf sich sein kann. Wir wollen damit einen Raum schaffen, wo junge Menschen einander helfen und so die soziale Ungleichheit nicht darüber bestimmen lassen, welche Möglichkeiten und Chancen einzelne Menschen haben oder nicht. So wird Solidarität im eigenen Leben spürbar und praktisch erlebbar, dass uns gemeinsame Herausforderungen und Interessen miteinander verbinden statt trennen können. 

Erste Schritte in die linke Zukunft
Diese positive Erfahrung braucht es, um das Fundament für den Aufbau einer starken Linken zu legen. Denn die Linke hat in den letzten Jahrzehnten im Leben vieler Menschen an Bedeutung verloren. Da ist es egal, ob wir für Freiheit, Gleichheit und Solidarität einstehen. Die wenigsten Menschen glauben, dass die Linke in der Lage ist, ihr Leben positiv zu verändern. Für viele Menschen ist es schon schwer genug, einfach über die Runden zu kommen. Wenn wir von diesen Menschen verlangen, dass sie die Welt mit anderen Augen sehen, dass sie Hoffnung haben, dann müssen wir dafür auch etwas bieten. Dazu gehört neben der gesellschaftlichen Perspektive, dass es wirklich anders geht, auch das Vertrauen, dass man mit uns gemeinsam diesen Weg gehen kann. Und deshalb wollen wir mehr darauf setzen, dieses Vertrauen auch zu rechtfertigen.

Junge Linke und das Lernnetz
Junge Linke kann so dazu beitragen, solidarische Praxis zu entwickeln. Wir machen erste Schritte in Richtung Organisierung von unmittelbaren Lebensinteressen, bauen durch praktische Hilfe Vertrauen auf und lernen, worauf es dabei ankommt. Für Junge Linke ist das Lernnetz aber noch viel mehr: ein Lern- und Begegnungsort von Menschen. Was wir alles lernen werden beim Aufbau vom Lernnetz, das werden wir gemeinsam herausfinden. Um unserem Weg aber eine gemeinsame Richtung zu geben, setzen wir uns klare Ziele.

Bis Ende 2022 wollen wir: 

  • österreichweit fünf Lernnetz-Zentren aufbauen
  • 300 junge Menschen aktiv ins Lernnetz einbinden
  • eine öffentlich sichtbare kostenlose Alternative zur Nachhilfe-Industrie etablieren – von jungen Menschen für junge Menschen
  • Qualitätssicherung für unsere Nachhilfe und Lernnetz-Zentren schaffen
  • mindestens fünf Schulungen für Nachhilfe-Gebende organisieren
  • langfristig junge Menschen motivieren, für sich selbst politisch aktiv zu werden.

 

Beschlusstext
Der Bundesausschuss erteilt dem Bundesvorstand den Auftrag, die Kampagne “Die Schule ist kaputt – Wir helfen nach!” zur Etablierung von Lernnetz – die kostenlose Nachhilfe zu starten, das Lernnetz als ständigen Geschäftsbereich einzusetzen und Landesorganisationen dabei zu unterstützen, Lernnetz-Zentren vor Ort aufzubauen.

Der Antrag als pdf: