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Morgenpost – 6. Juli

1. Schwarz-Grüner Plan bei Schulschließungen: Frauen zurück an den Herd?

Endlich Ferien! Für einige SchülerInnen aus Oberösterreich kam diese Nachricht aber eine Woche früher als erwartet. Wegen der erneuten Coronaausbrüche wurden von einem Tag auf den anderen Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen in fünf Bezirken geschlossen. Dadurch wurde eine Frage wieder aktuell, die seit Anfang der Coronakrise für Probleme sorgt: Die Kinderbetreuung. Lange warteten Eltern und SchülerInnen überhaupt auf eine erste Info, wann Schulen und Kindergärten wieder öffnen werden und als es dann wieder losging, war die zusätzliche Belastung für viele Eltern nicht vorbei. Der Schulbetrieb ging im Mai für zwei bis drei Tage die Woche wieder los, was für Eltern mit mehreren Kindern aber oft dazu führte, dass ein Kind Montag bis Mittwoch Schule hatte und das andere Donnerstag und Freitag. 

Angesichts der steigenden Coronazahlen und der Sorge vor einer zweiten Welle wäre eine sinnvolle Lösung bezüglich des Schulunterrichts aber dringend notwendig. Während Bildungsminister Fassmann die spontanen Schulschließungen zwar kritisierte, sind seine eigenen Vorschläge um nichts besser. Im August wird es eine Summer School für SchülerInnen, die Versäumnisse aus der Zeit der Schulschließung aufholen sollen, geben. Doch dafür ist keinerlei Budget eingeplant. Während also die sinnvollen Schulkonzepte auf sich warten lassen, bleibt auch die Frage der Kinderbetreuung in den Ferien und im Falle weiterer Schulschließungen offen. Viele Eltern haben bereits Urlaub, Zeitausgleich und Betreuungstage aufgebraucht und wissen nun nicht, was sie tun sollen, wenn die Schulen geschlossen sind, sie aber weiter arbeiten müssen. Besonders hart trifft das natürlich Alleinerziehende. Während  Großunternehmen wie die AUA gerettet werden, bleiben die Kinder zurück und die Mütter sind in den Vorstellungen der Regierung anscheinend allzeit für Betreuung verfügbar. 

2. USA sticht EU bei Corona-Medikament aus: Wer kriegt dann die Impfung?

Vor wenigen Monaten noch stahlen sich die EU-Staaten gegenseitig überlebenswichtige Schutzmasken und Beatmungsgeräte, jetzt stehen sie allesamt auf der Verliererseite: Die USA haben sich bis Ende September quasi die komplette Produktionsmenge des Medikaments Remdesivir gesichert, das die Symptome des Coronavirus lindern und die Behandlungsdauer verkürzen kann. Als Folge wird der europäische Markt diesen Sommer weitgehend leer ausgehen. Während der deutsche Gesundheitsminister – eigentlich glühender Anhänger der freien Konkurrenz – tobt und entgegen der Faktenlage trotzdem Lieferungen des Corona-Medikaments nach Deutschland fordert, gestehen andere europäische PolitikerInnen sich zumindest ihre Niederlage Trump gegenüber ein. Dieser Rückschlag hat wieder gezeigt, wie handlungsunfähig die EU abseits der Sicherung nationaler Einzelinteressen ist. 

All das lässt Böses ahnen, wenn man an die weltweite Verteilung eines möglichen Impfstoffes gegen das Coronavirus denkt. Die Medikamentenproduktion ist nämlich seit einigen Jahrzehnten fast vollständig an große, profitorientierte Unternehmen ausgelagert, die im Regelfall an den Höchstbietenden verkaufen. Die Gewinne dieser Pharmakonzerne sind riesig, trotzdem forschen sie viel zu wenig an neuen Medikamenten. Nach Ende der SARS- und MERS-Ausbrüche vor einigen Jahren wurde die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Coronaviren weitgehend gestoppt, weil er zu wenig Gewinne versprach. Das Wettbieten der großen Staaten um überlebensnotwendige Medikamente gibt es nur deswegen, weil unsere Gesundheit den Profiten Weniger untergeordnet ist.

3. Junge Menschen erkranken an Arbeitslosigkeit

Seit der Corona-Krise ist die Arbeitslosigkeit stark gestiegen, zur Zeit sind so viele Menschen ohne Job, wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. Diesen Juni sind mit einer Arbeitslosenquote von über Zehn Prozent um  70 Prozent mehr Menschen arbeitslos als im Vorjahr und damit weit mehr als zu den schlimmsten Zeiten der Finanzkrise 2008. Gerade Jugendliche sind durch die Corona-Krise fast doppelt so stark von Arbeitslosigkeit bedroht wie die Durchschnittsbevölkerung, da sie häufig in unsicheren Jobs arbeiten. Viele wissen nicht, ob sie nach der Krise überhaupt wieder eine Arbeitsstelle bekommen werden. Die damit verbundene Unsicherheit und die finanziellen Sorgen sind für viele Menschen auch eine enorme psychische Belastung. Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Angststörungen häufen sich seit dem Ausbruch von Corona vor allem bei denen, die durch die Krise auch ihren Job verloren haben.

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