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Morgenpost – 4. Mai

1. Ein etwas anderer Tag der Arbeit 

Der 1. Mai, der Tag der Arbeit, fand dieses Jahr unter außergewöhnlichen Umständen statt –  und außergewöhnlich ist auch die Situation der arbeitenden Menschen in Österreich. Nach wie vor steigt auch die Anzahl der Arbeitslosen in Österreich. Ende April lag die Arbeitslosigkeit bei 13% und zusätzlich dazu ist fast ein Drittel der Lohnarbeitenden in Kurzarbeit – das sind aktuell über 1 Million Menschen oder ganze 43% der Arbeitenden. Die Kurzarbeit ist für die Angestellten kurzfristig besser als Arbeitslosigkeit, denn Kurzarbeiter*innen bekommen in Österreich 80-90% von ihrem bisherigen Lohn ausbezahlt, während Arbeitslose nur 55% bekommen. Doch angesichts der wirtschaftlichen Lage ist zu erwarten, dass ein großer Teil von ihnen in den nächsten Monaten ebenfalls arbeitslos wird. Mit diesen Entwicklungen ist Österreich natürlich nicht allein. In fast allen Staaten stieg die Arbeitslosigkeit rasant an. In den USA wird geschätzt, dass aktuell jede dritte Person arbeitslos ist – das entspricht etwa der Zahl der Arbeitslosen am Höhepunkt der großen Depression der 1930er Jahre. 

2. Home-Learning: Eine Klassenfrage

Seit fast zwei Monaten schon sind die österreichischen Schulklassen weitgehend leer, der Unterricht wurde in die Privathaushalte verlegt. Für sehr viele Eltern – meistens fällt die zusätzliche Last hier auf Frauen zurück – und Kinder ist dieser Zustand eine extreme Belastung: Oft fehlen die Zeit, das pädagogische Wissen oder schlicht Laptop und gute Internetverbindung. Und während Kinder aus Akademikerfamilien gerade hochqualitativen Einzelunterricht oder zumindest etwas Hilfe beim Lernen bekommen, verschärfen sich die Ungleichheiten im Bildungssystem noch weiter. Trotzdem hat die Regierung zuerst Lösungen für strauchelnde Konzerne, den Tourismus und die Gastronomie gefunden, bevor sie einen Plan für die Öffnung der Schulen vorgelegt hat.

Lernen und Schwierigkeiten in der Schule wurden aber schon lange vor Corona ins Private abgeschoben. Jedes Jahr steigt die Zahl der Schüler*innen, die außerhalb der Schule Nachhilfe nehmen müssen, schon über 100 Millionen Euro fließen jährlich in den privaten Zusatzunterricht. Im Windschatten einer Politik, die dieses Problem schlicht ignoriert, hat sich in den letzten Jahren so etwas wie ein paralleles Schulsystem, eine eigene Nachhilfe-Industrie, entwickelt. Das alles wird sich durch die Coronakrise noch zuspitzen. Deswegen haben wir Junge Linke mit  dem Lernnetz eine Plattform für kostenlose Nachhilfe gegründet – mehr dazu hier oder in unserem aktuellen Podcast. 

3. Die Ungleichheit wächst

Die Folgen der Corona-Pandemie treffen die Ärmsten als erstes und am stärksten, warnt die Armutskonferenz. Die Regierung sei gefordert, entschiedene Hilfsmaßnahmen zu setzen, um zu verhindern, dass die soziale Kluft sich noch weiter vertieft. Eine dieser Maßnahmen könnte der Familien-Härtefonds sein. Doch während Besserverdienenden bis zu 1200€ pro Monat zustehen, wurden Mindestsicherungsbeziehende zunächst ganz von der Förderung ausgeschlossen. Für mehr als 80.000 Kinder bedeutet das ein Abrutschen in die Armut. Infolge heftiger Kritik wurde der Fond letztendlich zwar ausgeweitet, doch die 50€, die Mindestsicherungsbeziehenden pro Kind nun zustehen, sind für Betroffene am ehesten ein Schlag ins Gesicht, gewiss aber keine Hilfe.

Auch global zeigt die Krise bereits jetzt massive Auswirkungen und offenbart zwischenstaatliche Abhängigkeiten. Hamsterkäufe und Exportstopps lassen die Preise für Grundnahrungsmittel ansteigen. Kleinbäuer*innen im globalen Süden, die den Großteil der  weltweit hergestellten Lebensmittel produzieren, können sich ihre eigenen Lebensmittel nicht mehr leisten und sind besonders von Hunger bedroht.

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