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Morgenpost – 29. März

1. Stau im Suezkanal: Containerschiff blockiert den Flaschenhals der Weltwirtschaft

Seit Tagen blockiert ein großes Containerschiff, das auf Grund gelaufen ist, den Suezkanal. Ein Ereignis, das nicht nur die Meme-Kultur anregt und eine weiter absurde Katastrophe während der Pandemie darstellt sondern auch zahlreiche Staaten und Handeltreibende außer Atem hält. Die Blockade stellt eine ernste Gefahr für globale Güterketten dar, ist der Kanal doch die wichtigste Verbindung und der kürzeste Schiffsweg zwischen Asien und Europa. Der Suezkanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und befördert jährlich ca 10 Prozent des weltweiten Handels. Vor allem für den Ölhandel ist er essentiell. Für Ägypten ist der Kanal ein Machtsymbol und eine wichtige Einnahmequelle, die 2 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht. 

Als wichtige Handelsader war der Suezkanal lange Zeit hart umkämpft und zeitweise über mehrere Jahre geschlossen. Nach seiner Eröffnung 1869 war Ägypten aufgrund der immensen Baukosten stark verschuldet und Großbritannien übernahm die Anteile am Kanal. Die mehrheitlich britisch-französische Suezkanal-Gesellschaft wurde 1957 vom damaligen ägyptischen Präsidenten Nasser reverstaatlicht, was die Suezkrise auslöste.

Mehr als 200 Schiffe stecken nun im Kanal fest. Das führt weltweit zu Lieferausfällen. Bei einer Wirtschaft, die darauf setzt, dass angeforderte Produkte “Just in Time”, also gerade pünktlich, ankommen, um die Kosten der Lagerung gering zu halten, kann das fatal sein. Das Theater im Suezkanal zeigt uns wieder, wie sehr die kapitalistische Weltwirtschaft auf Sicht fährt und wie wenig sie dazu in der Lage ist, mit unvorhergesehenen Pannen fertig zu werden. 

Die Frankfurter Allgemeine über den Stau im Suezkanal 

Die Neue Zürcher Zeitung erzählt von der Geschichte des Suezkanals 

Die besten Suezkanal-Stau-Memes im Profil

2. Impfchaos: Blamiert sich die EU?

Die EU schneidet bei ihrer Impfkampagne im Vergleich zu anderen Machtblöcken wie Großbritannien oder den USA schlecht ab. Auch gegenüber Staaten wie China oder Russland, die ihre eigenen Impfstoffe an diverse Staaten verteilen, gerät man ins Hintertreffen. Serbien und Ungarn etwa bauen auf chinesische und russische Impfstoffe. Hauptsächlich jedoch führt die EU gerade mit einer Medienkampagne und Mitteln wie Exportverboten ihren Kampf gegen AstraZeneca und Großbritannien. AstraZeneca, das seine Lieferversprechen für seinen Impfstoff gegenüber der EU eher schlecht als recht einhält, wird beschuldigt, Großbritannien bei der Lieferung zu bevorzugen – und Großbritannien wird umgekehrt vorgeworfen, anders als die EU kaum AstraZeneca-Impfdosen zu exportieren. Das hat zu deutlicher Anspannung zwischen der EU und Großbritannien geführt.

Manche kritisieren, dass die EU ähnlich wie die USA und Großbritannien mehr Vorkehrungen hätte treffen müssen, damit Impfstoffhersteller*innen vorrangig an sie liefern. Sie soll also im imperialistischen Wettstreit machtvoller und erpresserischer auftreten. Anstatt aber bei dem Spiel mitzumachen, eine imperialistische Macht gegen die andere auszuspielen, sollte man eher erkennen, wie schlecht die kapitalistische Weltordnung mit ihren konkurrierenden Blöcken darin ist, den Impfstoff an alle Menschen fair zu verteilen und sich solidarisch für den Ausbau von Produktion, Verteilung und Impfterminen einzusetzen. In der Impfkampagne zeigen sich die Widersprüche des Kapitalismus in voller Blüte – und letztlich zum Schaden aller.

Die Zeit über die Versuche der EU, einen größeren Anteil der AstraZeneca-Impfdosen zu erhalten

France24 über Emmanuel Macrons Vorwurf an Russland und China, durch ihre Impfstoffe eine “neue Form des Weltkrieges“ zu führen (Englisch)

Der GegenStandpunkt wirft einen Blick auf die imperialistischen Logiken, die im globalen Impfwettstreit und insbesondere in der EU am Werk sind

3. Die Royals: Reichtum, Rassismus, Repräsentation

Im Jänner 2020, wenige Wochen vor Unterschrift des Brexit-Abkommens, erschütterte ein weiterer Austritt den Inselstaat: Prinz Harry und Meghan Markle gaben bekannt, sich aus dem royalen Tagesgeschäft zurückzuziehen. Nach einer Übergangsphase stand diesen Februar dann endgültig fest, dass das Paar in Zukunft kein aktives Mitglied der Königsfamilie mehr sein wird. Kurz darauf folgte ein Interview bei der TV-Ikone Oprah Winfrey, bei dem auch Rassismusvorwürfe gegen die königliche Familie laut wurden. Zweifellos war es ein mutiger Schritt von Meghan und Harry, öffentlich mit dem Königshaus zu brechen. Die Debatte darüber, wer Zugang zu den elitärsten Zirkeln der Welt haben darf, kann aber auch verschleiern, wie die Existenz dieser Machtzentren Basis für Ausbeutung und Unterdrückung ist. Und darunter leiden wiederum besonders stark die, die von Rassismus betroffen sind.

Adelshäuser haben heute nur noch in wenigen Ländern direkte politische Macht. Durch Kontakte, Privilegien und vor allem schier unendlichen, über Jahrhunderte angehäuften Reichtum stellen sie in vielen Ländern aber noch den harten Kern der Mächtigen. Reichtum wird in der Regel vererbt und Familien, die schon vor Jahrhunderten riesige Ländereien oder Sklaven besessen haben, besitzen hier naturgemäß einen Vorteil. Menschen, deren Vorfahren Menschen ausgebeutet haben, beuten heute mit hoher Wahrscheinlichkeit noch immer aus – wenn auch in veränderter Form. Wie wir uns als Linke zu Adel, Monarchie und der Rassismusdebatte rund um Meghan Markle verhalten sollen, diskutieren Sarah Pansy und Flora Petrik im Podcast “Kein Katzenjammer”.

Sarah Pansy spricht in Kein Katzenjammer, dem jungen linken Podcast über die Royals

Kontrast darüber, wie Reichtum in Österreich und der Welt oft über Jahrhunderte hinweg vererbt wird

Jacobin nach der Hochzeit von Meghan und Harry 2018 über die Rolle der britischen Monarchie (Englisch)


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