fbpx

Morgenpost – 26. Juli

  1. Sommer, Sonne, Corona: Wie Urlaubsgebiete sich die nächste Welle importieren müssen

Bei der Frage, ob Gesundheit oder Tourismus Vorrang haben sollen, fällt in den Ländern, die besonders vom Tourismus abhängig sind, die Antwort vielerorts zu Gunsten des Tourismus aus. Coronaregeln werden fallengelassen oder trotz hoher Inzidenzzahlen nicht verschärft. In Barcelona, aber auch Valencia und Mallorca, alles beliebte Reiseziele, steigen daher die Infektionszahlen drastisch. Auf der griechischen Insel Mykonos sind die Quarantäne-Hostels mittlerweile überfüllt und etliche auf Corona positiv getestete Urlaubende mussten am Strand übernachten.

Die Menschen in den vom Tourismus stark abhängigen Gebieten stecken dabei in einer Zwickmühle. Ein Ausfall des Tourismus bedeutet weniger Profite für die Tourismusunternehmen und bedroht auch die Arbeitsplätze der Einwohner:innen. Gleichzeitig hat die Öffnung für den Tourismus für die Menschen fatale Folgen. Und Menschen müssen zwischen der Gesundheit der Bevölkerung oder Arbeitslosigkeit entscheiden.  

Obwohl die sehr angeschlagene Tourismusbranche und vor allem die Menschen, deren Arbeitsplatz davon abhängig ist, sich einen guten Sommer verdient hätten, verschlimmert sich durch die verantwortungslose Handhabung die Situation noch mehr. So wird die nächste Coronawelle importiert und Menschenleben werden auf Kosten der Profite aufs Spiel gesetzt.

Die Welt berichtet, wie sehr sich die Lage auf Mykonos zugespitzt hat.

In FOCUS Online wird über die Situation in Spanien berichtet.

  1. Hitzetod beim Bundesheer: ausnahmsweise Konsequenzen?

Im August 2017 starb in Horn in Niederösterreich ein 19-jähriger Rekrut nach einem Hitzemarsch des Bundesheeres. Obwohl der Mann die Verantwortlichen auf gesundheitliche Probleme aufmerksam machte und flehte, aufhören zu dürfen, wurde er zum Weitergehen gezwungen. Als er schließlich in der Hitze zusammenbrach und viel zu spät ins Krankenhaus gebracht wurde,  starb er dort wenige Stunden später an Überhitzung.  Erste Ermittlungen gegen Soldaten, die für die Organisation des Marsches zuständig waren, führten zu dem Schluss, dass diese nichts falsch gemacht hätten. Die Causa wurde also erst einmal eingestellt. 

Jetzt bestätigte jedoch der Anwalt der Mutter, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein Verfahren gegen den Staat Österreich einleiten wird, in dem geprüft wird, ob der Marsch und die zu späte Behandlung gegen das Recht auf Leben verstoßen haben. 

Dass es überhaupt soweit kommen konnte, zeigt, welche Kultur und Umgangsweise im Bundesheer herrscht und dass diese in manchen Fällen tödlich sein kann. Besonders erschütternd: Vor einem Jahr gab der Sprecher des Bundesheeres bekannt, dass Partyvideos von Soldaten, die homosexuelle Handlungen zeigten, “das Widerlichste” seien, das er in seiner Dienstzeit gesehen hätte.  Für manche im Heer scheint die mögliche Homosexualität von Rekrut:innen noch immer schlimmer zu sein, als absolut fahrlässige Todesfälle im Grundwehrdienst.

Der ORF berichtet über das Verfahren des EGMR gegen Österreich. 

Der konkrete Wortlaut des Verfahrens gegen Österreich. (Englisch)

2020 wurden die Ermittlungen erst einmal eingestellt.

  1. Preiskrieg am Ölmarkt: neue Einigung

Vor gut einer Woche hat die OPEC+, eine Gruppe der wichtigsten ölfördernden Staaten, beschlossen, ihre Ölfördermenge zu erhöhen. Hintergrund dessen ist, dass sich die USA, Russland und Saudi Arabien am Beginn der Corona-Pandemie nach einem massiven Preiskampf darauf geeinigt haben, die Ölproduktion um fast zehn Prozent zu drosseln, um die Preise trotz eingebrochener Nachfrage stabil zu halten. Da sich die Wirtschaft vielerorts wieder erholt hat und der Ölbedarf dementsprechend gestiegen ist, fördern Saudi Arabien, Russland und Co nun wieder mehr Öl.

Die Absprachen der ölfördernden Länder erinnern uns daran, wie der Ölmarkt organisiert ist. Seit dem Ölpreisschock des Jahres 1973 halten die sogenannten OPEC-Staaten ihre Fördermenge koordiniert gering, um höhere Preise zu erzielen. Dieses System war zwar lange Zeit effektiv und hat Länder wie Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate reich gemacht, es hatte auch seinen Preis: In den letzten 50 Jahren hat vor allem Saudi Arabien, der größte Ölproduzent, durch die Drosselungen einen großen Teil seines Marktanteils eingebüßt. Der Boom der Fracking-Methode in den USA hat seit 2014 hat den Einfluss der OPEC-Staaten noch weiter geschwächt. Ob wir vor einem Zeitalter des billigen Öls stehen, was das für die Weltwirtschaft bedeuten könnte und welche Folgen ein Ende des Erdölzeitalters hätte, hat Flora Petrik mit Valentin Winkler in “Kein Katzenjammer”, dem jungen linken Podcast, besprochen. 

Flora Petrik spricht in “Kein Katzenjammer” mit Valentin Winkler über Vergangenheit und Zukunft des Öls.

Die FAZ schreibt über die letzte Einigung der OPEC+ zur Steigerung der Fördermenge.

Sadek Boussena, ehemaliger OPEC-Präsident, erklärt den laufenden Preiskampf am Ölmarkt, negative Ölpreise und den Niedergang der OPEC.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp