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Morgenpost – 21. September

1. Massenkündigungen und Lohnraub – der heiße Herbst der Unternehmer

Während es lange wirkte, als könnten durch die Kurzarbeit und ähnliche Maßnahmen Arbeitsplätze in der Coronakrise gesichert werden, liest man seit einiger Zeit fast täglich von Massenkündigungen. Es scheint,als ob die lange vorhergesehene Kündigungswelle vor der Tür steht. Erst vor wenigen Tagen stand fest, dass das MAN Werk in Steyr schließen wird, weil in Polen und der Türkei günstiger produziert werden kann. 2300 MitarbeiterInnen werden über kurz oder lang ihren Arbeitsplatz verlieren, obwohl es in diesem Fall nicht einmal an der Nachfrage scheitert – der Lastwagenhersteller will schlichtweg Lohnkosten sparen. MAN ist nicht der einzige Industriebetrieb, der gerade ArbeiterInnen vor die Tür setzt. Doka in Amstetten kündigt 300 MitarbeiterInnen und in Wattens in Tirol werden durch den Stellenabbau bei Swarovski in den nächsten Jahren insgesamt 4600 Menschen ihren Job verlieren – und das, obwohl das Vermögen des Swarovski-Clans auf fast 2,5 Milliarden Euro geschätzt wird und der Konzern 12 Million durch die Kurzarbeit bekommen hat. Das Auslaufen der Kurzarbeit wird anscheinend von mehreren Unternehmen als Anlass gesehen sich von “zu teuren” ArbeiterInnen zu trennen. Dass die ökonomisch angespannte Situation zu allererst am Rücken der ArbeiterInnen ausgetragen wird zeigt auch die Tatsache, dass die Arbeitgeber vor wenigen Tagen dafür plädierten die Lohnverhandlungen, die diesen Herbst angestanden wären, einfach zu verschieben – und das, obwohl längst nicht alle Unternehmen existenziell von der Krise getroffen wurden. Da damit nicht einmal die Inflation abgegolten wäre, käme das Lohnkürzungen für alle Arbeitenden gleich. Eine ganz besondere Dreistheit lieferte auch der Buchhändler Thalia, der in einem internen Video die Angestellten zu unbezahlten Überstunden aufforderte. Während Konzerne nachwievor Boni auszahlen und Gewinne ausschütten, müssen also die ArbeiterInnen für die Krise zahlen.

Der Standard berichtet über die Kündigungswelle 
Die Metaller-Arbeitgeber wollen die Lohnverhandlungen verschieben 
Moment berichtet über Thalias Wunsch nach unbezahlter Arbeit  

2. Corona-Verschwörungstheorien – Wenn Oma und Onkel plötzlich Aluhut tragen

Ende August gingen in Berlin fast 40.000 Menschen auf die Straße, um gegen die Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus zu demonstrieren. Die TeilnehmerInnen eint vor allem eines: Sie glauben auf die eine oder andere Art, dass es sich bei Corona und der Politik zur Bekämpfung der Pandemie um eine Verschwörung handelt. Außerdem waren vor allem in Berlin Rechtsextreme und VertreterInnen der AfD stark präsent. In Zeiten der allgemeinen Verunsicherung überrascht der vermehrte Auftreten von Verschwörungstheorien nicht. Diese geben Menschen vermeintlich logische Erklärungen für komplexe und verunsichernde Entwicklungen. Wenn man die aktuellen Coronademos anschaut, kann man die Teilnehmenden grob in zwei Gruppen unterteilen: Einerseits Menschen die schon vorher an Verschwörungstheorien geglaubt haben und bei denen sich das Virus dann in ihr bereits bestehendes Weltbild einfügt hat, aber auch solche, die in der aktuellen Situation als VerliererInnen dastehen oder sich so sehen. Letztere sind Menschen, die mit ökonomischen Abstiegsängsten konfrontiert sind und etwa um ihren Job bangen, oder die die Einschränkungen, die sich durch die Pandemie ergeben, als unverhältnismäßige Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit betrachten. Was viele der Verschwörungstheorien eint, ist dass sie ein antisemitisches Element beinhalten. Der Hass auf Juden und JüdInnen zählt zu den ältesten und breitest verbreiteten Verschwörungstheorien. 

Die neue Folge “Kein Katzenjammer” zu Coronademos und Verschwörungstheorien  
Ein Vortrag von Oliver Nachtwey zu Verschwörungsmythen während der Pandemie
Ein Bericht über Antisemitismus und Rechtsextremismus bei den Coronademos in Deutschland 

3. Immer längere Wartezeiten – Wer kriegt die knappen Coronatests?

Seit die täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder in die Hunderte gehen, häufen sich Meldungen nach langen Wartezeiten für Ergebnisse der Gratis-Tests. Letzte Woche wurde dann bekannt, dass sich die Testkapazitäten in Wien bereits am Limit befinden. Immer mehr Menschen müssen sich daher für teures Geld bei privaten Laboren testen lassen, die mit dem Bekanntwerden der deutschen Reisewarnung für Wien noch einmal einen regelrechten Boom erlebten. Für immer mehr Reisen muss man mittlerweile einen negativen Coronatest vorweisen, in Flugzeuge der Linien Emirates und Etihad darf man beispielsweise ohne solch einen Beleg gar nicht mehr einsteigen. Umgekehrt forderte der Chef der Lufthansa-Tochter AUA, dass man sich mit einem negativen Testergebnis in der Europäischen Union komplett frei bewegen können soll.

Hinter den Kulissen tobt aber bereits ein Verteilungskampf um die knappen Tests: Bund und Länder haben nämlich verabsäumt, über den Sommer ausreichend Testkapazitäten aufzubauen. Erst letzte Woche hat Wien zusätzliches Personal für Contact Tracing eingestellt und Tests in Arztordinationen wurden eingeführt, die Zeit der Sommermonate wurde also verspielt. Stattdessen hat man sich auf den Service privater Labore verlassen – also jener Anbieter, die gerade mit den Privattestungen gutes Geld machen. Da die Privatkunden den Pauschalpreis, den der Staat zahlt, einfach überbieten können, kommen die auch schneller an ein Testergebnis. Die Privattests für Geschäftsreisen, Urlaube oder aus Routine am Arbeitstest fehlen damit momentan an zentraler Stelle, wo sie möglichst effektiv zur Pandemiebekämpfung eingesetzt werden könnten. Das Gewinnstreben der privaten Anbieter sorgt also dafür, dass die Bewegungsfreiheit Einzelner über einer vernünftigen Bekämpfung der Pandemie steht.

Der Standards zum Boom bei privaten Coronatests
Der Standard über die Gründe des explodierenden Infektionsgeschehens in Österreich
Diese verschärften Corona-Regelungen gelten ab heute

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