fbpx

Morgenpost – 20. Juli

1. 85% der Corona-Arbeitslosen sind Frauen

Am Mittwoch veröffentlichte der ÖGB eine erschreckende Zahl: Von den 64000 Arbeitslosen, die es seit Februar mehr gibt als zuvor, sind 85 Prozent weiblich. Die Arbeitslosigkeit der Männer liegt aktuell nur mehr 4 Prozent über dem Wert von Februar, während die der Frauen nach wie vor um 33 Prozent höher ist als im Februar. Ein Grund dafür ist, dass typische “Männerbranchen” wie das Baugewerbe von der Coronakrise weniger stark betroffen sind wie beispielsweise die Gastronomie. Aber auch wenn die Männerarbeitslosigkeit vor allem durch die stärkere Bautätigkeit im Frühjahr immer stärker sinkt, können diese saisonalen Schwankungen  alleine bei weitem nicht den gravierenden Unterschied in den Arbeitslosenzahlen zwischen den Geschlechtern erklären. Insbesondere jetzt in den Sommerferien gibt es vor allem in den ländlichen Regionen oft Schwierigkeiten Kindergartenplätze zu finden und die Frauen sind dann diejenigen, die Kinderbetreuung übernehmen. Das zeigt sich auch in einer Studie der Wirtschaftsuni Wien, in der deutlich wurde, dass Frauen in der Coronakrise nochmal mehr unbezahlte Arbeit und Hausarbeit übernommen haben als davor. Für die Geschlechtergerechtigkeit hat die Krise also nichts Gutes getan.

Anhand der erschreckenden Frauenarbeitslosigkeit zeigen sich aber auch die unterschiedlichen Rollen, die Männer und Frauen am Arbeitsmarkt einnehmen. In Krisenzeiten werden Vollzeitkräfte, die über relevantes Know-How verfügen oft als letztes gekündigt, während vor allem Teilzeitkräfte oder prekär Beschäftigte gleich zu Beginn entlassen werden. Da Frauen oft nur Teilzeit arbeiten, sind sie oft früh von Krisen getroffen und werden im Gegensatz zur männlicheren “Kernbelegschaft” eher als flexible „Zuverdienerinnen“ behandelt. Die geschlechterspezifische Arbeitsteilung im Kapitalismus zeigt sich also in Krisen wie diesen umso deutlicher.

2. Bedingungsloses Grundeinkommen – Fluch oder Segen?

Hunderttausende Menschen wurden in Österreich im Zuge der Corona-Krise arbeitslos, mehr als eine Million ging in Kurzarbeit. Das brachte eine erneute Diskussion zum bedingungslosen Grundeinkommen auf. Ein existenzsichernder Betrag, der jeden Monat aufs Konto überwiesen wird, ganz ohne Auflagen oder Gegenleistung – die Idee erfreut sich angesichts der Krise zunehmender Beliebtheit.

Ein Grundeinkommen soll finanziell absichern und ermöglichen, dass Menschen nicht mehr gezwungen sind zu arbeiten. Doch während die einen darin großes Potenzial sehen, stellen immer mehr Linke infrage, ob es wirklich das Zeug dafür hat, unsere Gesellschaft zu verändern. Kann es uns wirklich aus der Lohnabhängigkeit befreien oder stürzt es uns wiederum in die Abhängigkeit vom Staat? Was passiert, wenn existenzsichernde Löhne überflüssig werden und Lohndumping erleichtert wird? Und was können Alternativen sein?

3. USA gegen China – Das ist Trumps Strategie!

Die Rivalität mit China zieht sich wie ein roter Faden durch Trumps Präsidentschaft, schon seit zwei Jahren überziehen die USA das Land mit immer schwereren Strafzöllen. Doch die US-Sanktionen konnten den Aufstieg Chinas genauso wenig aufhalten wie die Corona-Pandemie: Während sich das Virus in den Vereinigten Staaten nach wie vor rasant ausbreitet und die Arbeitslosenzahlen auf Rekordniveau verweilen, wächst die chinesische Wirtschaft schon wieder. China wird also im Vergleich zu den anderen Industriestaaten wohl gestärkt aus der Coronakrise hervorgehen. Um diese Machtposition zu unterstreichen formulierte es jüngst Hoheitsansprüche im südchinesischen Meer und schloss ein Investitionsabkommen mit dem Iran ab – dem Todfeind der USA.

Trump denkt aber gar nicht daran, das Feld zu räumen: Die Gebietsansprüche und geopolitischen Ambitionen Chinas werden von der USA hart zurückgewiesen, gegen MitarbeiterInnen chinesischer Konzerne wurden sogar Einreiseverbote verhängt. Die jahrzehntelange Taktik der USA, China immer stärker ins internationale Handels- und Finanzsystem zu integrieren und dadurch die Macht der herrschenden Kommunistischen Partei zu schwächen, ist offenkundig gescheitert. Schon unter Obama hat sich daher ein Kurswechsel der US-amerikanischen Beziehungen zu China angekündigt. Trumps Handelskonflikt und die ständige Hetze gegen das “chinesische Virus” ist daher alles andere als verwirrtes Theater, sondern das logische Resultat einer jahrzehntelangen Chinapolitik, die für die USA gewaltig nach hinten losgegangen ist.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp