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Morgenpost – 15. Februar

  1. Schau auf dich, schau auf mich: Medien helfen ÖVP

Letzte Woche fand bei ÖVP-Finanzminister Gernot Blümel eine Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit der Casinos-Affäre rund um illegale Absprachen und Gegengeschäfte zwischen dem Glücksspielkonzern Novomatic, der ÖVP und der FPÖ statt. Für die Medienlandschaft ist die Causa ein Aufruf, mit abstrusen Theorien und billigen Unterstellungen vom Korruptionsverdacht gegenüber Blümel, aber auch Kanzler Kurz, abzulenken. So wurde etwa der „Presse“ gesteckt, dass es sich bei „Kurz“ im SMS-Verlauf zwischen Novomatic-Chef Harald Neumann und Blümel sowie im Terminkalender des Novomatic-Eigentümers Johann Graf womöglich gar nicht um den damaligen Außenminister handle, sondern um Grafs Schwiegertochter Martina Kurz. Auch was die ermittelnde Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) betrifft, leisten die Medien Schützenhilfe: Sie verfolge eine politische Agenda gegen Kurz, so ein aufgewärmter Vorwurf, auf dessen Wirkung nun auch die ÖVP selbst setzt. Auch der Boulevard leistet Rückendeckung – in der Krone heißt es: „Bleiben Sie bloß auf Ihrem Posten, Herr Minister!“.

Der Kurz-ÖVP weht zwar 2021 ein zunehmend rauher Wind entgegen und auch loyale Journalist*innen ermahnen Kurz, dass langsam wieder etwas mehr Ruhe einkehren möge. Aber sie weiß sich im Großen und Ganzen nach wie vor auf die strategisch platzierten Freund*innen in Medien und Wirtschaft zu verlassen. Es ist auch keine organisierte und glaubhafte Alternative zum Kurz-Projekt in Sicht und auch wenn die Entwicklung in der Casinos-Causa noch nicht abzusehen ist, wird es mehr als die Hoffnung auf den nächsten Skandal brauchen, um dem Kurz-Projekt nachhaltig ein Ende zu setzen.

ZackZack über die Hintergründe der aktuellen Entwicklungen rund um Kurz, Blümel und Novomatic

 Der Kontrast-Blog über die Medienlandschaft in Österreich und ihre (wenig vielfältigen) Eigentümer*innenverhältnisse

Der Standard mit einer Einschätzung zu den Schwierigkeiten der ÖVP und dem Fortbestand der türkis-grünen Koalition

2. Militärputsch in Myanmar

Vor zwei Wochen putschte das Militär in Myanmar – und das nicht zum ersten Mal. Wie in vielen ehemals kolonialisierten Staaten hat das Heer im ehemaligen Burma eine wichtige Rolle im Prozess der Staatsgründung. Die Streitkräfte kooperierten Zeit ihres Bestehens immer wieder mit Bürger*innenbewegungen, in den Sechzigern und Siebzigern sogar mit den Kommunist*innen. Diese Allianzen zerbrachen, aber das Militär konnte seine Macht halten. 2010 beendete es seine bisher letzte Junta und rief freie Wahlen aus, die sozialdemokratische Partei NLD unter der Führung von Suu Kyi ging daraus als Siegerin hervor. Suu Kyi gilt als Ikone: Sie gewann 1992 den Friedensnobelpreis und wurde vom Militär 15 Jahre lang unter Hausarrest gestellt. Die Armee sicherte sich aber einen enormen Wirtschaftsapparat, eine Sperrminorität im Parlament, mehrere Ministerien und das Recht zum Putsch in der Verfassung.

Myanmar ist zwar ein sehr rohstoffreiches Land, doch dadurch, dass sich Myanmar lange Zeit ausländischen Investor*innen nicht bedingungslos ausgeliefert hat, hat sich das Militärregime international in eine recht isolierte Position manövriert. Vor allem nachdem 2007/08 Proteste buddhistischer Mönche niedergeschlagen wurden, nahm die internationale Isolation weiter zu; Myanmar wurde seitdem extrem abhängig von seinen Beziehungen zu China. Die Repression gegen die muslimische Minderheit der Rohingya 2016 und die daraufhin verhängten EU-Sanktionen verschärften die Situation weiter. US-Präsident Biden hat den Putsch bereits verurteilt, hat aber nur geringe Sanktionsmöglichkeiten, da es zwischen Myanmar und den USA nur wenig Handel gibt.

The Sydney Morning Herald berichtet ausführlich über den Putsch [Englisch]

Die Wiener Zeitung berichtet über die Proteste gegen den Putsch

Die Deutsche Welle berichtet über die wirtschaftliche Situation Myanmars

3. „Liebe ist immer ein Dilemma“

Der Frage, was das eigentlich ist, dieses Universalphänomen „Liebe“, widmen sich seit jeher die großen Werke in der Musik, in der Literatur, im Film. Und die meisten Leute kennen das berauschende Gefühl erster Verliebtheit, bei dem alles, was die neue Bekanntschaft macht, toll und beeindruckend ist. In psychoanalytischen Theorien nennt man das Idealisierung. 

Wenn wir über die Liebe nachdenken, ist Kapitalismus vielleicht nicht das erste, woran wir denken – oder wenn doch, dann nur im Zusammenhang mit dem gestrigen Valentinstag. Doch tatsächlich erfüllt die Liebe heutzutage eine „Kittfunktion“, bei der sie die Risse, die im Kapitalismus im sozialen Zusammenleben bestehen, wieder verbindet. Diese Funktion hat es ihr auch ermöglicht, heute die Rolle zu spielen, die sie für uns spielt. Denn die sozialen und emotionalen Bedürfnisse der Menschen kann das kapitalistische Wirtschaftssystem nicht decken und das ist auch nicht sein Anspruch.  

Wir leben – und lieben – nicht in einem Vakuum. Wie wir lieben ist sehr stark dadurch geprägt, welche Erfahrungen wir als kleine Kinder gemacht haben. Ob wir als junge Menschen zärtlich behandelt oder ignoriert worden sind, prägt uns für den Rest unseres Lebens. Das alles hat natürlich auch eine gesellschaftliche Komponente. Gesellschaftliche Werte werden von Familien nicht nur aktiv an ihre Kinder weitergegeben – z.B. Geschlechterbilder werden auch einfach unhinterfragt gelebt und dadurch reproduziert. Also bekommen Männer und Frauen auch heute noch für ihre Geschlechtsidentität und ihr Verhalten in der Liebe unterschiedliche Zugänge nahegelegt. 

Aber was sagt das über die Bedeutung von Männlichkeit heute? Wie hat sich unsere Lebens- und Liebensweise im Lauf der Zeit verändert? Und: Wie können wir politisch mit der Liebe umgehen? Darüber – und über die Frage, warum die Liebe sowieso „immer ein Dilemma“ ist, unterhält sich Flora Petrik mit Lina Braunegger, angehende Politikwissenschafterin und Psychoanalytikerin, in der aktuellen Folge von “Kein Katzenjammer”, dem jungen linken Podcast.

Flora Petrik spricht in der aktuellen Folge mit der angehenden Politikwissenschafterin und Psychoanalytikerin Lina Braunegger über Liebe in unserer Gesellschaft und im Kapitalismus. 

Die Soziologin Eva Illouz erklärt, wie die moderne Marktwirtschaft das Verhältnis zwischen Männern und Frauen verändert.

Die Zeitschrift Luxemburg über eine linke „Eroberung“ des Familienbegriffs.

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