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Morgenpost – 14. September

1. Schule in der Krise: Wer hat einen Plan?

Die Schulen haben ihre erste Woche überstanden, gute Vorbereitung auf eine Pandemie sieht allerdings anders aus. Auf Infos zu kommenden Corona-Maßnahmen ließ man sie bis zum letzten Drücker warten. Auch bei Testungen herrscht bislang Chaos. Während Infektionszahlen mit jedem Tag weiter steigen, muss der Schulbetrieb irgendwie weiter aufrecht erhalten werden. Mit der aktuellen Planlosigkeit steuern wir geradewegs auf einen erneuten Schullockdown zu. Was dieser anrichtet, haben wir bereits im Frühjahr gesehen. Eine nochmalige Schulschließung würde die Zukunft vieler Kinder auf lange Sicht sehr negativ beeinflussen und muss unbedingt vermieden werden.

Aber auch abseits der Corona-bedingten Schwierigkeiten werden hier Probleme wie unter einem Vergrößerungsglas sichtbar. Geld spielt eine massive Rolle für den Schulerfolg von Kindern. Pro Jahr müssen Eltern im Schnitt 800€ an schulischen Zusatzkosten beisteuern und das überfordert in Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit immer mehr Familien. Jedes dritte Kind in Österreich ist auf Nachhilfe angewiesen. Das ist besonders für Familien mit niedrigem Einkommen, Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund eine massive finanzielle Belastung.

Weil sich daran etwas ändern muss, haben Junge Linke das Lernnetz gestartet – die kostenlose Nachhilfe! Wir wollen uns und unsere Bildung nicht weiter in Arm und Reich spalten lassen, sondern eine Schule, die alle Schüler*innen fördert.

Du brauchst Nachhilfe? Oder kannst Nachhilfe geben? Melde dich jetzt beim Lernnetz!
 Die Wiener Zeitung zum Chaos rund um die Corona-Maßnahmen an Schulen 
Der Standard zu hohen schulischen Zusatzkosten 

2. Corona: Es wird wieder brenzlig

In der Pressekonferenz am Freitag zur aktuellen Corona-Situation verkündete Sebastian Kurz: “Jetzt wird’s wieder ernst.” Ganz verstehen kann man das nicht. Es sah schon in den letzten Wochen sehr ernst aus, die Zahlen der täglichen Neuinfektionen übertrumpften sich beinahe jeden Tag. Von Freitag auf Samstag waren die Neuinfektionen mit 869 die zweithöchsten seit Beginn der Corona-Pandemie in Österreich. Noch sind es vor allem junge Leute, die betroffen sind, häufig eher mit mildem Verlauf. Langsam, aber sicher steigen jedoch auch die lange Zeit niedrigen Aufenthalte in Spitälern und Intensivstationen durch Corona. Aufgrund der hohen Infektionszahlen bei Jüngeren verbreitet sich das Virus zunehmend wieder unter älteren, anfälligeren Menschen. 

In Wien ist nur mehr für knapp über die Hälfte der infizierten Personen nachvollziehbar, wo sie sich angesteckt haben. Letzte Woche war das zumindest noch für zwei Drittel der Infizierten der Fall. Der Anfang der Infektionskette kann also oft nicht mehr gefunden werden und infektiöse Personen können unentdeckt weiterhin andere anstecken. Auch die Berichte, dass man immer länger auf einen Test warten muss, häufen sich. Das “Contact Tracing“, Schlüssel zur Bewältigung der Pandemie, steht also vor dem Zusammenbruch. Statt rechtzeitig zu handeln, hat die Regierung Zeit damit verschwendet, eine halbgare “Corona-Ampel“ zu entwerfen, die eine Woche später schon wieder umgeworfen wird, und verlogene Beruhigungsfloskeln zu verkünden, damit “die Wirtschaft” zufrieden ist. Ernst ist es also schon lange – jetzt baden wir aus, was die Regierung sehenden Auges zugelassen hat. 

Die Wiener Zeitung über Langzeitfolgen einer Corona-Infektion auch bei vermeintlich milden Verläufen 
Der Standard über das Scheitern der zwei Wochen jungen Corona-Ampel
Our World in Data bietet eine umfassende Ressource mit vielen Daten über den weltweiten Verlauf der Pandemie

3. Das ist Moria – Das ist Mord 

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist das Flüchtlingslager in Moria auf der griechischen Insel Lesbos fast vollständig abgebrannt. 12.000 Menschen haben seitdem alles, was sie noch hatten, verloren und sind obdachlos. Kurz vor Ausbruch des Feuers wurden außerdem die ersten Coronafälle im Camp in Moria bekannt, was angesichts der katastrophalen hygienischen und medizinischen Lage vor Ort nur eine Frage der Zeit war. Während die Menschen in Moria versuchen in den Trümmern zu überleben, greift sie die Polizei jetzt außerdem mit Tränengas an. 

Diese Katastrophe war leider vorhersehbar, denn die unmenschlichen Bedingungen im Lager in Moria sind nichts Neues, auch wenn sie sich in den letzten Monaten nochmal zugespitzt haben. Schon seit Jahren fordern AktivistInnen, NGOs und allen voran die BewohnerInnen selbst eine Räumung des hoffnungslos überfüllten Lagers, das eigentlich nur für 2800 Personen ausgelegt ist. Doch die EU ließ die Situation wissentlich eskalieren und weigert sich bis heute die Menschen zu evakuieren. Die Regierungen streiten darüber, wer vielleicht 100 Kinder aufnimmt oder auch nicht. Doch diese Debatte ist nichts als zynisch. Allein in Wien stehen dreimal mehr Wohnungen leer, als Menschen jetzt in Moria in den Trümmern leben. Die einzige Antwort auf Moria müsste lauten, die Menschen sofort zu evakuieren und alle derartigen Lager zu schließen! 

Ein Kommentar von Niki Kubaczek in der Presse
Katerina Anastasiou schreibt auf Mosaik über die Situation in Moria 
Die neue Folge Kein Katzenjammer über die Situation in Moria

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