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Morgenpost – 3. Mai

1. Land der Frauenmorde – Femizide in Österreich

Am Donnerstagabend wurde in Wien-Brigittenau erneut eine Frau ermordet, nur drei Wochen nachdem ebenfalls in Wien eine Trafikantin an den Folgen eines Brandanschlags durch ihren Expartner verstarb. Es ist bereits der neunte Femizid heuer, letztes Jahr waren von 43 Mordopfern 31 Frauen. Österreich ist damit das einzige EU-Land in dem mehr Frauen als Männer ermordet werden. 

Der mutmaßliche Täter ist diesmal alles andere als ein Unbekannter. Der sogenannte “Bierwirt” ist bereits aus mehreren Gerichtsverhandlungen gegen Sigi Maurer, die Grüne Klubchefin im Parlament, bekannt. Seine Vergewaltigungsphantasien, die er per Facebook an Maurer versandt hatte, wurden Gegenstand bundesweiter Diskussionen über (sexualisierte) Gewalt im Netz. Geschehen ist danach wenig. Bis auf eine verpflichtende sechsstündige Beratung im Gewaltschutzzentrum gab es für den mutmaßlichen Täter keine Konsequenzen. Das passt leider ins Muster: Österreich ist in der Prävention von Frauenmorden enorm fahrlässig. Eine Untersuchungshaft gegen gewalttätige Männer wird nur in den seltensten Fällen verhängt, das gilt auch bei Gewalt und Morddrohungen im Vorfeld. 

Es gibt seit Jahren keine Strategie der Regierung, Österreich aus dem Spitzenfeld der EU in Sachen Femizid und häusliche Gewalt herauszuholen und die Bagatellisierung von Gewaltphantasien zu beenden. Frauenministerin Susanne Raab und deren Partei (ÖVP) verortet das Problem bei Migrant:innen. Dass Länder wie Schweden, bei einem ungefähr gleich großen Migrationsanteil, mit Gewalt an Frauen ein wesentlich geringeres Problem haben, wird dabei natürlich verschwiegen. Dieses Muster zieht sich nicht nur durch die Politik, auch die Medienlandschaft reduziert immer wieder Morde auf Familiendramen.

Der Standard berichtete über den Femizid vergangene Woche.

Im profil war das Thema “Frauenmorde” im vergangenen Monat die Titelgeschichte.

Hier findest du eine Zusammenfassung von Thesen des Soziologen Rolf Pohl zum Thema Frauenhass.

2. Droht jetzt die Hungersnot? Höhenflug bei Lebensmittelpreisen

Als wäre die Weltwirtschaft nicht ohnehin schon durch die Pandemie höchst strapaziert, droht jetzt auch noch Nahrungsmittelknappheit. Hilfsorganisationen warnen vor einer Hungersnot “in biblischem Ausmaß”. Das liegt unter anderem daran, dass sich die Lebensmittelpreise auf einem Höchststand befinden. Seit 2014 sind die Preise für Mais, Weizen und Soja nie so hoch gewesen wie jetzt.  

Die Ursachen hinter dem Preishoch auf den Agrarmärkten sind dabei zu großen Teilen schlechte Ernten, verursacht durch klimatische Veränderungen. Dies betrifft etwa den Weizenanbau in den USA, der durch den kalten aber trockenen Winter vor großen Problemen steht. Insbesondere der fehlende Niederschlag macht der Landwirtschaft zu schaffen. In North Dakota, dem größten Produzenten von Sommerweizen in den USA, ist derzeit die Hälfte des Landes extremer Dürre ausgesetzt. Ähnliche Probleme ergeben sich beim Maisanbau. Ein weiterer Grund für die Probleme mit der Nahrungsmittelversorgung liegt darin, dass Lebensmittelimporte meist in Dollar bezahlt werden. Für viele weniger entwickelte Länder hat sich infolge der Coronakrise jedoch der Wechselkurs zum Dollar verschlechtert, das macht die Importe noch teurer. 

Wenn auch das Rekordhoch der Lebensmittelpreise nicht unbedingt in den Schlagzeilen der größten Tageszeitungen zu finden ist, dürfen wir die Relevanz solcher Entwicklungen nicht unterschätzen. So zeigen sich jetzt schon die Probleme der Klimakatastrophe und es lässt sich nur erahnen, welche Entwicklungen hier in den kommenden Jahren auf uns warten. Außerdem hat auch schon die jüngere Vergangenheit gezeigt, welche Konsequenzen Lebensmittelknappheiten mit sich ziehen können: Die Explosion der Nahrungsmittelpreise zwischen 2008 und 2014 hat damals schon zu Hungersnöten geführt und war wohl der wichtigste Auslöser für den Arabischen Frühling. 

Agrarheute berichtet über das Rekordhoch der Getreidemärkte. 

n-tv warnt vor der drohenden Hungersnot. 

Was hat ein Laib Brot mit dem arabischen Frühling zu tun?

3. Krise im Gesundheitswesen – Sparen auf Kosten unserer Gesundheit

Zu Beginn der Pandemie standen alle täglich um 18 Uhr am Fenster und beklatschten die unermüdliche Arbeit des Pflege- und Krankenhauspersonals. Eine nette Geste – mittlerweile ist von den Dankesbekundungen aber nichts mehr übriggeblieben. Die Krise hat die Situation in Krankenhäusern verschärft, doch die schlechten Arbeitsbedingungen und der Personalnotstand waren existierten schon vor Corona. Geistig und körperlich belastende Tätigkeiten treffen auf niedrige Löhne und lange Arbeitszeiten. Das führt zu Burnout, Frustration und häufigem Jobwechsel.

Die ohnehin schon belastende Situation spitzte sich durch die zusätzliche Belastung während der Pandemie weiter zu und es gibt kein Anzeichen, dass sich die Lage auf den Stationen nach der Pandemie wieder entspannen wird. Der Bedarf nach mehr Pflegepersonal wächst stetig, bis 2030 werden 67.000 Pflegekräfte benötigt, um den Bedarf in Österreich zu decken. Gleichzeitig gibt es nicht genügend Menschen in Ausbildung, um die Stellen zu besetzen. Anstatt den Beruf für junge Menschen durch faires Gehalt oder bessere Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen, wird darüber diskutiert, Arbeitskräfte aus dem Ausland zu holen. Das kann natürlich eine Entlastung für bestehendes Personal bedeuten, ist allerdings keine nachhaltige Lösung des Problems.

Der Pflegenotstand ist eine direkte Folge der Sparpolitik im Gesundheitsbereich. Die Pandemie führt uns deutlich vor Augen, dass Gesundheit nicht als reiner Kostenpunkt behandelt werden darf, bei dem es nur um Effizienzoptimierung geht. Pflege und Krankenversorgung werden uns alle früher oder später betreffen – und es darf nicht vom Einkommen abhängen, ob jemand ausreichend versorgt wird.

Niklas Lorenz spricht im Podcast “Kein Katzenjammer” über das Gesundheitssystem.

Der Kontrast Blog äußert sich zu den Belastungen im Pflegeberuf.

Der Standard berichtet über die Situation auf den Intensivstationen.

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