Julia Prassl

Landessprecherin

Kurzbiografie:

Ich bin 23 Jahre alt, komme aus Graz und lebe seit vier Jahren in Wien. Nach der Schule habe ich ein Jahr lang versucht, Germanistik und Philosophie in Graz zu studieren. Danach bin ich nach Wien gezogen, hab die letzten Jahre Politikwissenschaft studiert und versuche gerade, mich zwischen Interessen-Verfolgen und Sich-Verwertbar-Machen auf einen Master festzulegen. Daneben ersehne ich die ersten Konzerte nach Corona, bewege mich gern draußen und mit Freund:innen oder genieße ein gutes Buch.

Motivation:

In Österreich läuft so vieles so grundlegend schief, dass es mich schon ganz oft komplett ohnmächtig fühlen ließ. Vieles von dem, was auf Bundesebene falsch läuft, geht auch im ehemals roten Wien keinen Deut besser. 

Alle zehn Tage wird in Österreich eine Frau umgebracht – sechs der Frauenmorde sind in Wien passiert. Man liest diese Schlagzeilen, ist betroffen, wütend, traurig und will so gern so viel tun, hat 1000 Ideen für Aktionen, aber fühlt sich zugleich so machtlos, weil es einfach keine einfache Lösung für dieses Problem gibt und so viel umfassendere Handlungen gesetzt werden müssten, um dem Problem wirklich begegnen zu können. Aber wenn auch nach dem 14. Mord ein komplett unzureichendes Gewaltschutzpaket beschlossen wird, das echte Lösungen nicht finanzieren kann, fühlt es sich manchmal so an, als würde man ins leere Strampeln.

In Wien kann man auch immer wieder die widerlich rassistische Politik der Bundesregierung hautnah miterleben – denn von hier aus, werden momentan ständig Menschen abgeschoben. Die Bilder von der abgeschotteten Festung Europa, die sich so gern Menschenrechte auf die Fahnen schreibt aber tausende Menschen im Mittelmeer sterben lässt wirken oft weit weg – wir haben ja keine EU-Außengrenze. Aber die Abschottungspolitik findet hier genauso statt. Gegenüber Geflüchteten die aus ihrem Leben gerissen und aus dem Land entfernt werden ebenso wie gegenüber Migrant:innen, die innerhalb der Gesellschaft an deren Ränder gedrängt, ausgeschlossen oder kriminalisiert werden. 

Diese Thema lassen uns ohnmächtig fühlen, weil ja der Linken gerade wirklich die Handlungsmacht fehlt, das zu ändern. Aber es gibt ein Mittel gegen die Ohnmacht – das ist Solidarität. Gegen allein betroffen, wütend, traurig im Zimmer sitzen, hilft, sich mit vielen zusammenzuschließen. Nach einem Jahr Corona, in dem man nur genau das – allein zuhause sitzen – machen konnte, ist es so toll, dass am Landeskongress so viele Mitglieder und Interessierte zusammenkommen, gemeinsam Strategien diskutieren und neue Projekte starten und ihre Zimmer und die Vereinzelung wieder verlassen. Genau das ist meine Motivation, für den Landesvorstand zu kandidieren: Junge Linke holt mich aus der Ohnmacht, gibt mir Perspektiven und verwandelt meine Wut in Handlungen. In dieser Gesellschaft gibt es so viel zu verändern, das schaffen wir nur gemeinsam!

Die kleinen Erfolge, die wir schon feiern konnten, geben mit Hoffnung, dass wir auf einem richtigen Weg sind und motivieren mich, diesen Weg weiterhin aktiv mitzugestalten. Das Lernnetz, das einzige solidarische Netzwerk, dass die Linke während der Coronakrise auf die Beine gestellt hat, und die SOKO Miete, in der wir als erste linke Organisation Wiens den Organizing-Ansatz ausprobiert haben und nicht länger nur davon reden, zu den Menschen gehen zu wollen, sondern es wirklich gemacht haben – beides können wir als Erfolge verbuchen. 

Aus diesen Gründen würde ich gern weiterhin im Landesvorstand mitarbeiten, hier unsere gemeinsam beschlossenen Projekte auf Schiene bringen und so aktiv wie mir möglich den Verband weiterbringen. Mir macht es große Freude zu sehen, wenn Bezirksgruppen Ideen haben und umsetzen, neue Leute dazustoßen und eingebunden werden und Gruppen richtig gut laufen. 

Grafiken für Social Media basteln, früh aufstehen und Presseaussendungen zu machen oder sogar in Kameras reden – das durfte ich bei Junge Linke in den letzten Jahren lernen und lernte sogar, es sehr gern zu machen. Deshalb möchte ich die Öffentlichkeitsarbeit von Junge Linke Wien gerne noch weiter ausbauen. Mir macht es Spaß zu überlegen, wie wir wo was kommunizieren, damit nach Innen hin alle Mitglieder mit Infos versorgt sind und wir nach außen hin wirken wie DER Verband, in dem man aktiv werden mag.  

Und wenn die Rolle der Landessprecherin auch ein bisschen beinhaltet, sich zu vernetzen, dann trifft sich das super. Ich tratsche nämlich irrsinnig gern mit Menschen der uns nahestehenden Verbände und Gruppen. 

Das alles würde ich gern noch länger weitermachen. Deshalb kandidiere ich als Landessprecherin der Jungen Linken Wien und würde ich mich sehr über eure Unterstützung freuen!