AMIR STURM

Weiteres Vorstandsmitglied

Kurzbiografie:

Ich bin 25 Jahre alt und gebürtiger Südsteirer, aber seit über 20 Jahren schon komplett verwienert. Hier fühle ich mich eindeutig zu Hause und habe auch nie woanders gelebt, außer in meiner Kindheit in Leibnitz und einer kurzen Zeit als Baby in Israel. Deshalb kenne ich mich hier aus, wie nirgends anders. Nach einer kurzen Post-Matura Berufssuche, die in Richtung Irgendwas-mit-Medien gegangen ist, habe ich begonnen Englisch und Geschichte auf Lehramt zu studieren – ein schöner Kompromiss zwischen einem normalen Brotjob mit vielen Kolleg:innen, klaren Gewerkschaftszuständigkeiten und akademischem Intelligenzlertum. Seit vielen Jahren bin ich politisch aktiv, habe mich in verschiedenen Gruppen und Projekten eingebracht, von Initiativen gegen Rassismus bis zu Organisierung im Gesundheitsbereich. Entsprechend sind die drei tragenden Säulen meines Lebens Politik, Uni/Schule und Parties – in dieser Reihenfolge.

Motivation:

Wir leben seit Jahren in einer Zeit mehrfacher Krisen: Finanz- und Wirtschaftskrise, Klimakrise, politische Krisen und jetzt noch die Corona-Krise. Dabei ist Wien alles andere als eine Insel der Seligen, sondern eher ein Zuspitzungspunkt all dieser Probleme. Wenn ich mir ganz „trocken“ die Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte vergegenwärtige, komme ich mir schnell klein, unbedeutend und machtlos vor.

Denn die alten Rezepte der österreichischen Politik funktionieren schon lange nicht mehr. Unsere Großeltern haben in den „Goldenen 60ern“ noch mit einer gewissen Zuversicht in die Zukunft geschaut. Mit der Konjunktur und dem sozialpartnerschaftlichen Klassenkompromiss von oben schien die Klassenharmonie hergestellt zu sein. Aber seit den späten 80ern war es damit vorbei. Die neoliberale Umgestaltung der Gesellschaft setze ein. Seit 1990 stagnieren oder sinken die Reallöhne und der Niedriglohnsektor breitet sich langsam aber sicher aus. Wir kennen heute gar keine andere wirtschaftliche Realität mehr mehr – das „Wirtschaftswunder“ ist eine ferne Vergangenheit. Von „später wird’s uns noch besser gehen“ ist kaum mehr etwas zu spüren: 2019, vor der Coronakrise, gaben 46% der Jugendlichen an, Angst zu haben, „im Leben nichts zu erreichen“ und 43% hatten Angst, keinen Job zu finden.

Die Herrschenden haben den Menschen in diesem Land nichts mehr anzubieten. Die sozialpartnerschaftlichen Zauberformeln wirken krisenbedingt nicht mehr und sind vom Aussterben bedroht. Auch die Gewerkschaft setzt den Angriffen nichts mehr entgegen, wie sie mit ihrer lahmarschigen Reaktion auf die Einführung des 12-Stunden-Tages 2018 bewiesen hat. Jahrzehnte der sozialpartnerschaftlichen Lähmung haben scheinbar bis heute jeden Kampfgeist unterdrückt. Vor diesem Hintergrund kommt die vielzitierte „Politikverdrossenheit“ auch nicht mehr so überraschend: Die Hälfte aller 14- bis 18-jährigen haben wenig bis kein Vertrauen in das politische System und 40% bezeichnen sich sogar dezidiert selbst als „politikverdrossen“.

Aber genau hier können und müssen wir als Linke einhaken! Die „Politikverdrossenheit“ wird gerne mit der niedrigen Wahlbeteiligung illustriert: Bei der Wien-Wahl 2020 sind über 400.000 Wahlberechtigte nicht zur Wahl gegangen – als Partei wäre das die stärkste politische Kraft. Rechnet man noch die 500.000 von der Wahl ausgeschlossenen ausländischen Staatsbürger:innen dazu, sind das mehr Menschen als alle Parteien zusammen an Stimmen erhalten haben. Diesen Menschen ist Politik nicht einfach egal. Das sind Menschen, die vom politischen und wirtschaftlichen System enttäuscht sind und – zurecht – kein Vertrauen mehr darin haben. Sie haben keine Vertretung, keine starke Lobby wie die Konzerne und Milliardäre.

Und genau hier setzen wir als Junge Linke auch an. Statt Menschen dem privaten Rückzug oder reaktionären Antworten auf die Krise zu überlassen, wollen wir ihnen Hoffnung und vor allem Vertrauen in linke Politik geben. Wir tun uns zusammen und arbeiten an ganz konkreten Projekten, die bei der Lebensrealität der Menschen ansetzen. Mit dem erstmals ausgetesteten Ansatz bei unserer SOKO Miete und den enorm guten Rückmeldungen kommt schon so ein Hoffnungsschimmer hervor. Auch unsere Wiener Lernnetz-Zentren, die nach langer Coronaflaute jetzt endlich in den Startlöchern stehen, haben wir ein Projekt geschaffen, das einfach eine politische Sinnstiftung ist. Die Entwicklung, die wir als Junge Linke in den letzten Jahren an den Tag gelebt haben, motiviert mich wie kaum was anderes und gibt mir die Hoffnung, dass wir es schaffen werden aus diesem Elend namens Kapitalismus ausbrechen zu können.

All diese Sachen motivieren mich, mich bei Junge Linke richtig ins Zeug zu legen. Das habe ich auch schon getan, bei den vielen Projekten in die ich involviert war, von den Aktionstagen und Organisationsarbeit auf Bundesebene, den Schwerpunkten auf Landesebene oder den mittlerweile zwei großartigen Bezirksgruppen, die ich mit aufgebaut habe. Jetzt würde ich meine Energie gerne in der verantwortlichen Rolle im Landesvorstand einsetzen. In die Planungs-, Koordinierungs- und Strategiearbeit habe ich schon ausgiebig hineingeschnuppert und viel Spaß dabei gehabt – jetzt möchte ich richtig losstarten.

Bei unseren Kongressen, Ausschüssen und allen anderen Veranstaltungen fühle ich mich wie ein Fisch im Wasser – es ist eine riesige Motivation, mit all unseren Mitgliedern zu plaudern, zu diskutieren und zu scherzen. Außerdem mag ich es generell, mit Leuten Kontakt zu haben und vor Leuten zu reden und meine Ideen mit ihnen auszudiskutieren.

Die beachtliche Entwicklung von Junge Linke motiviert mich enorm – jetzt möchte ich sie endlich noch aktiver mitgestalten.