Antrag zur Finanzstrategie der Jungen Linken

Antrag zur Finanzstrategie der Jungen Linken
Antrag zum 4. Bundeskongress der Jungen Linken, 6.-9. Jänner 2022, Velden am Wörthersee
Antragsteller:innen: Alisa Vengerova, Dominik Rauch, Jakob Hundsbichler, Sara Sturany, Tanja Reiter, Tobias Kohlberger, Veronika Hackl, Dina Eggerth

 

Verstehbar zu machen, dass Politik in Österreich Geld kostet und der Aufbau einer starken Linken nur von Erfolg gekrönt sein kann, wenn wir es schaffen, Gelder unabhängig von großen Spender:innen oder der Abhängigkeit von staatlicher Förderung aufzustellen – Daran arbeiten Junge Linke seit unserer Gründung und finanzieren uns daher aus Beiträgen unserer Mitglieder, von Fördermitgliedern aber auch durch direkte Teilnahmebeiträge zu unseren Veranstaltungen. Wenn wir die Interessen derer organisieren wollen, die keine Lobby haben, sollten wir auch finanziell von genau den Menschen getragen werden. Wir haben erste Schritte gemacht, aber noch einen langen Weg vor uns.

Wir wollen weiterhin wachsen, unsere Projekte groß machen und ein noch breiteres Angebot stellen: Für all das brauchen wir Geld. Einerseits möchten wir für große Kämpfe der nächsten Jahre vorsorgen, andererseits müssen wir eine Kultur davon etablieren, Gelder in die Hand zu nehmen, wo nötig und sinnvoll, um unsere Projekte erfolgreich zu machen und unser eigenes politisches Engagement langfristig zu sichern. Aber wir müssen auch beginnen, im Verband mehr über Finanzen und ihre Verwendung zu sprechen und mehr Nachvollziehbarkeit und Transparenz zu schaffen.

01 – Die Kriegskasse füllen

Eine starke Linke aufbauen und unsere Generation zu politisieren werden wir nicht von heute auf morgen. Das heißt wir müssen, unsere Energien gut einteilen und die Kämpfe sorgsam auswählen, die wir führen. Dementsprechend sollten wir uns darauf vorbereiten, wichtige Kämpfe groß zu machen, sie aber selbst anzetteln zu können und nicht als Bittstellerin auf andere Organisationen oder einmalige Geldspenden dafür angewiesen zu sein.

Dafür brauchen wir Rücklagen, die uns Junge Linke im Bedarfsfall zur Erreichung wichtiger Meilensteine zur Verfügung stehen und über deren Verwendung wir gemeinsam am Bundeskongress entscheiden.

Maßnahmen:

  1. Jährlich zumindest 10% der Mitglieds- und Fördermitgliedsbeiträge sowie Spenden zu Rücklagen zuführen um langfristig ca. 100% des Budgets an Rücklagen aufzubauen.

02 – Über’s Geld spricht man nicht schon!

Die Finanzierung von Junge Linke ist ein Auftrag, dem wir uns gemeinsam stellen, zu dem wir alle einen Beitrag leisten durch Mitgliedsbeiträge, Unkostenbeiträge oder auch Getränkespenden. Daher wollen wir auch gemeinsam darüber entscheiden, wie wir unsere Gelder verwenden. Als Junge Linke versuchen wir daher unsere Finanzen möglichst transparent zu gestalten. Ein schriftliches Regelwerk kann Standards festlegen, die wir dabei einhalten und macht diese Standards diskutier- und veränderbar.

Transparenz heißt nicht, möglichst viele Zahlen offenzulegen, sondern Entscheidungen nachvollziehbar zu gestalten, sowie Überblick und Steuerbarkeit zu bieten. Dafür ist es wichtig, unsere Finanzen verständlich darzustellen und regelmäßig an alle Mitglieder zu kommunizieren, wie wir Gelder lukrieren und verwenden, aber auch die Räume zu schaffen, darüber zu sprechen und daran zu feilen.

Maßnahmen:

  1. Ausführliches Regelwerk zur Verwendung von Geldern, der Darstellung und Transparenz sowie der Arbeit von Finanzreferent:innen (“Finanzgebarung”) ausarbeiten und 2022 durch einen Bundesausschuss-Beschluss festlegen.
  2. Jährliches Seminar für Finanzreferent:innen und Finanzverantwortliche mit dem Ziel unsere Finanzstrategie und Finanzgebarung anzupassen und zu reflektieren.
  3. Jahresbericht, der offenlegt wie die Mitgliedsbeiträge verwendet wurden, und der an Mitglieder und Fördermitglieder übergeben wird.

03 – Wie verwenden wir unser Geld?

Neben einer Spendenkultur als Linke brauchen wir auch eine Kultur dessen, unsere Mittel dafür einzusetzen, Erfolge zu feiern. Junge Linke haben geschafft sich zu etablieren und unsere Strukturen so zu verankern, dass wir nicht von heute auf morgen zerfallen und in den Konkurs schlittern. Wir dürfen uns mehr trauen Geld auszugeben, ohne Angst davor haben zu müssen, dass unsere Organisation auf der Kippe stehen könnte.

Dafür brauchen wir Räume, uns auszutauschen, einander bei der Planung von Projektbudgets zu helfen und darüber zu informieren, wofür Mittel zur Verfügung stehen und worauf bei deren Verwendung zu achten ist. Diese Räume möchten wir etablieren und dadurch dazu beitragen diese Kultur zu schaffen.

Maßnahmen:

  1. Stärkere Kommunikation mit Bezirksvorständen, Geschäftsbereichen und Teams über die Verwendung von Mitteln und die Abrechnung von Ausgaben (Part im Bezirkshandbuch und Bezirkslehrgang; jährliche Kommunikation mit Bezirksvorständen durch Landes- bzw. Bundesorganisation).
  2. Budgets für Geschäftsbereiche etablieren und mit Geschäftsbereichen einmal im Quartal absprechen.
  3. 5% der jährlichen Mittel des Verbands sollen für Klausuren von Bezirken, Geschäftsbereichen und Vorständen verwendet werden.
  4. Prozess darüber, dass Mitglieder in Landesorganisationen transparent über finanzielle Beiträge zu Projekten der Bundesorganisation entscheiden, starten.

04 – Linke Spendenkultur weiter ausbauen

In den letzten Jahren haben wir unzählige Gespräche geführt und eine relevante Menge an Personen davon überzeugt, Junge Linke mit einem kleinen Beitrag im Monat zu unterstützen. Das hat sich ausgezahlt: Dank unserer Spenden, unseren Fördermitgliedern, aber auch den Mitgliedsbeiträgen selbst, konnten wir Junge Linke zu einer Jugendorganisation aufbauen, die in ganz Österreich vertreten ist.

Wir werden unseren Weg fortsetzen müssen, wenn wir unsere Generation politisieren und als Verband wachsen wollen. Dazu können wir alle einen Beitrag leisten, darüber nachdenken, wer in unserem Umfeld Fördermitglied werden könnte, den Aufbau einer starken Linken mit einem finanziellen Beitrag unterstützen zu können. Auch ein kleiner Beitrag von 5€ im Monat unterstützt Junge Linke unendlich mal mehr als kein Beitrag.

Als Verband können wir das unterstützen durch regelmäßige Spendenaufrufe oder Beratungsangebote für Veranstaltungsorganisationsteams.

Maßnahmen:

  1. Jährlich einen Fördermitglieder-Aufruf organisieren. Das soll dazu führen, dass mindestens 30% der Mitglieder Fördermitglieder im nahen persönlichen Umfeld finden.
  2. Mindestens 50% der aus Altersgründen ausscheidenden Mitglieder sollen als Alumni-Mitglieder weiter den Verband unterstützen.
  3. Getränkeverkauf in Absprache mit Bezirken und Landesorganisation bei Veranstaltungen etablieren, die in Räumen von Junge Linke stattfinden.
  4. Unterstützung bei der Entwicklung von Projektbudgets für Bezirksgruppen, um das Potential von Einnahmequellen auszuschöpfen und die Verwendung von Geldern einfacher zu machen.

Wir haben als Junge Linke schon viel vorangebracht, um eine linke Spendenkultur aufzubauen und als Verband finanziell unabhängig von staatlichen Förderungen oder Großspender:innen zu sein. Um weiterhin wachsen zu können, unser Angebot auszubauen und neue Projekte auszuprobieren, müssen wir auch auch die Art, wie wir mit unseren Geldern umgehen ändern und Rücklagen aufbauen, um uns langfristig auf sichere Beine zu stellen!

Beschlusstext: Der Bundeskongress beauftragt den Bundesvorstand mit der Ausarbeitung und Umsetzung der genannten Maßnahmen.