Wir verdienen mehr:
Was wir wirklich zum Weltfrauentag wollen

Am 8. März ist internationaler Weltfrauentag. Dieser Tag wird oft genutzt, um rote Rosen zu verschenken, oder weibliche Kundschaft mit Rabatten in Geschäfte zu locken. Beides ändert jedoch nichts an den Problemen, wegen denen Frauen seit über 100 Jahren auf die Straße gehen: Frauen werden massiv benachteiligt, damals wie heute. Damals kämpfte Clara Zetkin gemeinsam mit vielen anderen für das Frauenwahlrecht, heute geht es um Selbstbestimmung und Lohngerechtigkeit. Auch über 100 Jahre nach dem ersten Weltfrauentag am 19. März 1911 leben wir noch in einer ungerechten Welt. Und Blumen oder Rabatte auf Kosmetik oder Putzmittel einmal im Jahr, werden daran nichts ändern.

Menschen zweiter Klasse?

Frauen verdienen weniger als Männer. Insgesamt sind es fast 40% Einkommensunterschied, da Frauen oft Berufe ausüben, die generell schlechter bezahlt sind (zum Beispiel im Pflegebereich oder in der Kinderbetreuung) oder in Teilzeit arbeiten. Doch selbst, wenn man Branche, Bildungsniveau, Alter, Arbeitszeit und Unternehmensgröße einbezieht, bleibt immer noch ein Lohnunterschied von 13,6%. Frauen wird für die gleiche Arbeit weniger Lohn bezahlt. Das ist zwar verboten, aber in der Praxis tut die Politik zu wenig dagegen.. 

Frauen arbeiten oft unentlohnt. Frauen in Österreich arbeiten im Schnitt 269 Minuten unbezahlt im Haushalt, Männer mit 135 Minuten nur halb so viel. Dazu gehören neben Hausarbeit, wie putzen, kochen, Wäsche waschen, auch der Einkauf, die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen. Diese Arbeit ist wertvoll, extrem wichtig und anstrengend, wird aber in der Gesellschaft nicht als solche erkannt und deshalb nicht bezahlt. 

Diese Schieflage ist auch in der Pension noch spürbar: Da viele Frauen Teilzeit arbeiten, damit sie sich am Nachmittag um die Kinder und den Haushalt kümmern können, fällt ihre Pension deutlich niedriger aus, als die ihrer vollzeitbeschäftigten Kollegen. Das treibt Frauen in die Armutsfalle. Obwohl sie mehr arbeiten, sind sie ärmer als Männer: Die Pensionen von Frauen sind um die Hälfte niedriger als die von Männern und von den armutsgefährdeten Personen in Österreich sind 69,2% Frauen. Nach einem Leben voll harter Arbeit müssen Frauen auch noch um ihre Existenz kämpfen.

Verstaubte Rollenbilder

Veraltete Rollenbilder ketten viele Frauen an den Herd. Mit über vier Stunden stemmen sie den Großteil der unbezahlten Hausarbeit. Auch die Kinderbetreuung bleibt oft an Frauen hängen: Fast 94% der Alleinerziehenden sind weiblich. Diese Doppelbelastung zu schultern, sollte nicht allein die Aufgabe der betroffenen Frauen sein. 

Immer noch wird die Arbeit von Frauen als weniger wert betrachtet. Berufe im Sozialbereich werden wesentlich schlechter bezahlt als Berufe in anderen Branchen. Neben kräftezehrender körperlicher Arbeit kommt auch noch die psychische Belastung dazu. Diese unglaubliche Leistung von Arbeitenden in sozialen Einrichtungen spiegelt sich aber weder am Lohnzettel, noch in der Anerkennung solcher Berufe in der Gesellschaft wider. Die Arbeit von Kinderbetreuerinnen und Pflegerinnen ist gleich viel wert wie die Arbeit eines Informatikers und soll auch gleich bezahlt werden.

Da gerade die Kinderbetreuung als “Frauensache” angesehen wird, müssen Frauen große Abstriche machen, wenn sie sich für Kinder entscheiden. Meistens fehlt die Unterstützung vom Partner, es gibt nicht genug Angebote für Kinderbetreuung oder sie ist schlicht zu teuer. Wenn Frauen sich für oder gegen Karenz entscheiden, können sie dabei auch nichts richtig machen – entweder sie sind “Rabenmütter”, oder sie “hackeln ja überhaupt nicht”. Wir wollen selbst entscheiden, wie wir unser Leben gestalten, egal ob mit oder ohne Kinder!

Gerecht geht nur gemeinsam!

Wir wollen eine gerechte Welt, in der wir Spaß haben, an dem was wir tun und in der alle von ihrer Arbeit gut leben können. Das geht nur, wenn wir für gleichwertige Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen!

Wir wollen ein gleichberechtigtes Leben, frei von veralteten Geschlechterrollen und Klischees. Dafür braucht es eine faire Aufteilung der unbezahlten Pflege- und Hausarbeit. Denn Pflege und Erziehung gehen uns alle etwas an!

Damit Frauen selbst entscheiden können, wo und wie viel sie arbeiten, braucht es flächendeckende, kostenlose Kinderbetreuung. Befreien wir uns von veralteten Rollenbildern und Klischees!