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Welches Leben wollen wir für unsere Mütter?

Corona bedeutet auch eine Krise für Frauen, heißt es. Gerade Frauen tragen diese Gesellschaft in der Krise, tönt es. Wo wären wir ohne die viele Arbeit, die Frauen leisten, denken wir uns. 

Wie so oft ist der Normalzustand schon die Krise. Leisten Frauen als Mütter und Hausarbeiterinnen nicht schon (gefühlt) seit jeher mehr, als wir sehen können? Mütter verzichten oft auf viele Chancen, um ihre Rolle erfüllen zu können. Frauen verdienen schon vor Corona weniger und waren schneller von Arbeitslosigkeit betroffen. Sie erhalten weniger Pension, haben weniger Freizeit und rutschen leichter in Altersarmut ab.

Heute ist Muttertag. Wie er begangen wird, ist ein Symbol für ein Scheitern der Frauenbewegung. Von Feministinnen erkämpft, wurde der Muttertag erst unter den Nazis das, was er heute ist: Ein symbolischer Dank dafür, dass Frauen die ihnen zugewiesenen Rollen ohne großes Murren ausüben. Es wird Zeit, dass wir auch am Muttertag wieder darüber reden, welche Stellung Mütter in der Gesellschaft haben und warum wir Frauen das nicht hinnehmen können. Denn das zeigt die Corona-Krise deutlich: Für Hausfrauen gibt es keine Kurzarbeit. 

Immer dieselben Teller

Was fällt uns denn in der Krise auf, warum tritt Frauenarbeit gerade jetzt stärker ins Bewusstsein? Weil sich in einer Gesundheitskrise zeigt, wie stark die Pflegeberufe von Frauen dominiert sind. Weil sich in Stunden der Angst vor Versorgungsengpässen zeigt, wer jeden Tag mehrere Tonnen lebensnotwendiger Güter in Regale wuchtet. Nichts desto trotz lief der große Teil der Produktion in Österreich weiter. Frauen wie Männer haben gearbeitet bis zum Umfallen. Aber mehrheitlich Frauen haben einen der wichtigsten systemrelevanten Berufe ausgeübt: Die Aufrechterhaltung der Ordnung im privaten Quarantänequartier. Die Arbeit, die Frauen dort leisten, bleibt meistens unsichtbar.

Während wir alle erkennen, wie viel Arbeit darin steckt, aus Metallen und Rohstoffen ein Fahrrad zu bauen, sieht man einem Teller erst nach vielen Jahren an, wie oft er gewaschen wurde. Immer wieder dieselben Töpfe und Kleider waschen, ist das keine Arbeit? Soll es selbstverständlich sein, das hausarbeitende Frauen diese Güter instand halten? Oder: Wenn Frauen als Ärztinnen in der Praxis oder im Spital Wunden versorgen, Fieber senken und Mut machen, sind sie zurecht Heldinnen in Weiß. Tun Frauen das als Mütter zu Hause, leisten sie nur Selbstverständliches?

Was ist uns Hausarbeit wert?

Ich habe sechs Schwestern – wir waren sieben Kinder. Meine Mutter hat in ihrem Leben mehr geleistet als jeder andere Mensch, den ich kenne. Ohne Lohn, ohne Lobreden und oft ohne ein einziges Danke. Doch wenn ich heute frage, was sie dafür von der Politik bekommt, enttäuscht die Antwort. Die AUA wird gerettet, die Banken werden saniert und meine Mutter? Statt einer eigenen Pension, gibt es für sie nur leere Worte. Und gerade gibt es keine Frauenbewegung, die daran etwas ändert.

Seien wir ehrlich: Jede und jeder, die von zuhause ausgezogen ist, hat manchmal die Zeit vermisst, wo man nicht selbst kochen, putzen, waschen, einkaufen oder Geschirr spülen musste. Manche lernen früher, manche später, wie viel Zeit und Energie das alles kostet. Hausarbeit muss gemacht werden, so wie unser Leben und Wohnen gerade organisiert ist. Aber muss sie von Frauen gemacht werden? Muss sie schlecht entlohnt werden? Warum verdient man durch Kindererziehung und Reproduktionsarbeiten keine finanzielle Unabhängigkeit? Muss sie unter diesen Arbeitsbedingungen gemacht werden? Warum ist es keine gesellschaftliche Aufgabe, dass Eltern und Kinder ein gutes Leben haben?

Es gibt nichts geschenkt

Während wir zurecht gegen die Anhebung der Tagesarbeitszeit oder zu niedrige Löhne im Sozial- und Pflegebereich protestieren, warum protestieren wir nicht gegen die unbegrenzten Arbeitstage und die bestenfalls alibihafte Bezahlung der Mütter? Während wir über schlechte Arbeitsbedingungen in Industrie und Dienstleistungsbereich zumindest diskutieren und um Lösungen kämpfen, findet das bei Hausarbeit nicht statt. Wo sind sie hin, die Forderungen nach der weitestgehenden Übernahme von Hausarbeit durch gesellschaftliche Einrichtungen?

Es zeigt sich leider, dass diese Fragen niemand für uns stellen wird. Diese Fragen kann nur eine starke Frauenbewegung auf die Tagesordnung setzen. Mit der freundschaftlichen Unterstützung vieler Männer natürlich noch lieber. Aber wir Frauen können nicht warten, dass “die Politik” das für uns tut. Dafür ist unsere Hausarbeit zu wichtig für das System, wie es momentan ist. Wo die Krisenlösungen für die Wirtschaft wichtiger sind als die Lösungen für Schülerinnen und Schüler, wird Politik auf dem Rücken von Frauen gemacht. Wer schon einmal die Mindestsicherung gekürzt hat, der hat Politik gegen Frauen gemacht. 

Zum Muttertag: ein Leben ohne Armut

Wenn wir wollen, dass unsere Arbeit mehr abwirft als homöopathische Sozialtransfers, dann müssen wir uns dafür einsetzen. Wenn wir wollen, dass wir diese Arbeiten eines Tages nicht mehr selbstverständlich als Frauen erledigen, müssen wir das lauter und gemeinsam fordern. Wir als Frauen. Und wir als junge Menschen. Wir wollen das beste Leben für unsere Mütter? Dafür werden wir etwas tun müssen. Aber das ist ok, weil sie haben auch so viel für uns getan. 

Für Mama: ein Leben ohne Armut und Ausweglosigkeit. 

Teresa Griesebner ist Bundessprecherin der Jungen Linken. Sie studiert Soziologie in Linz und arbeitet am Institut für Frauen- und Geschlechterforschung der JKU Linz. Weitere Infos und Debattenbeiträge unter www.jungelinke.at 

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