fbpx
Junge Linke

Wahlanalyse zum Erfolg in Salzburg

KPÖ PLUS Salzburg hat den Einzug in den Gemeinderat geschafft. Sogar das zweite Mandat war in Greifweite. Gratulation an KPÖ PLUS und Kay-Michael Dankl zum Erfolg! Wir haben den Wahlkampf in den letzten Wochen tatkräftig unterstützt, fast 100  Junge Linke aus ganz Österreich waren vor Ort in Salzburg dabei. Salzburg braucht eine linke Stimme im Gemeinderat, die sich für leistbares Wohnen einsetzt und dafür sorgt, dass soziale Themen nach der Wahl nicht wieder unter den Tisch fallen.

Der Einzug in Salzburg ist ein großer Erfolg, der wirklich nicht selbstverständlich ist. Auch wenn so viele Menschen an diesem Einzug gearbeitet haben, wurde es gegen Ende sehr schwer, nicht neben den anderen Parteien unterzugehen. Es ist wirklich beeindruckend, wie viele Junge Linke dem Aufruf gefolgt sind und einen odere mehrere Tage, teilweise auch 3-4 mal nach Salzburg gekommen sind, um mit Kay und KPÖ PLUS Wahlkampf zu machen.

Was wir aus dieser Wahl mitnehmen könnenot

Die Erfahrungen dieses Wahlkampfs sind tatsächlich sehr bereichernd für uns und die österreichische Linke. Wir haben wieder einige Fortschritte bei der Umsetzung von Wahlkampagnen gemacht, die als Wissen und technisches Know-How in der Organisation riesigen Wert haben. Wir haben gesehen, was der Fokus auf Kernbotschaften bewirken kann.

Die zahllosen Gespräche, die AktivistInnen auf der Straße geführt haben, haben Geschichten hervorgebracht, die anspornen und für viele sonst unsichtbar bleiben. Da ist die Bewohnerin eines Altenheims, die davor warnt, in die Politik zu gehen – weil man dort korrupt wird – aber dann doch verspricht, KPÖ PLUS zu wählen – weil man ja zusammenhalten muss! Da ist die langjährige Krankenschwester, die zuerst abweisend reagiert und uns zum Abschied um den Hals gefallen ist, weil die Menschen hinter den Slogans ihr Vertrauen geweckt haben. Oder die Geschichte von dem Mann, der keine 20€ für einen neuen Fahrrad-Reifen aufbringen kann, der ihm geplatzt ist, weil ein Großteil seines Einkommens in die Miete fließt und er deshalb fast eine Stunde früher zu Fuß zur Arbeit muss. Dann begegnete uns auch der langjährige FPÖ-Wähler, der meint, dass viele Positionen der KPÖ wirklich sehr ansprechend sind. Aber da ist auch die Frau, der die 50 Meter ins Wahllokal mittlerweile zu weit geworden sind, weil sie erzählt, keine Hoffnung mehr auf Veränderung zu haben.

Schließlich gibt es nicht nur Erfahrungen und Geschichten, sondern auch konkrete Ergebnisse. Es ist uns gelungen, dass fast doppelt so viele Menschen wie bei der letzten Wahl KPÖ PLUS gewählt haben, während gleichzeitig die Wahlbeteiligung weiter gesunken ist. Und in den Bezirken, auf die wir uns besonders fokussiert haben, allen voran die Elisabeth-Vorstadt, aber auch das urbane Andräviertel, konnten wir teilweise Ergebnisse über 7% erreichen. Und wir haben mehr Flyer, Zeitungen und Türhänger verteilt, als es Wahlberechtigte in Salzburg gibt. Das sind Ergebnisse, die sich österreichweit sehen lassen können.

Was heißt das für uns Junge Linke?

All das zeigt: Es ist wirklich viel möglich, wenn wir beharrlich bleiben, unsere Arbeit weiter verbessern und neue Zugänge zu politischen Lösungen entwickeln. Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass Wahlkämpfe nur ein kleiner Baustein sind. Damit wir in größeren Dimensionen erfolgreich sein können, wird es aber mehr brauchen als gut konzipierte Wahlkämpfe und gute Gründe, warum man gegen die herrschende Politik sein soll. Wir werden eine Politik entwickeln müssen, die etwas anbietet, das es bislang nicht gibt. Wir müssen die Menschen in ihrem Alltag erreichen und dort Organisationsansätze schaffen.

Welche Wege wir dafür als Junge Linke einschlagen können, werden wir gemeinsam diskutieren. Die Frage wird auf unserem kommenden Bundeskongress vom 12.-14.04. in St. Gilgen am Wolfgangsee in Salzburg eine große Rolle spielen. Wie können wir die errungenen Erfolge vertiefen und noch viel mehr Menschen dafür begeistern, dass es eine linke Partei braucht? Welche Erfahrungen können wir aus der gewonnenen Wahl mitnehmen? Was sind weitere Bausteine zu einer linken Partei? Und was können wir Jungen Linken davon in den nächsten Monaten und Jahren angehen?

Der Einzug in Salzburg bringt uns auf jeden Fall einen Schritt weiter. Die Symbolwirkung ist klar: in Salzburg, Innsbruck, Graz und Linz gibt es nun Gemeinderäte linker Parteien – das sind vier der fünf größten Städte in Österreich. Dass die Kernbotschaften Wohnen und Politikergehälter wichtige Eckpfeiler sind, hat sich bestätigt. Gleichzeitig gilt es aber auch hier unsere Positionsarbeit nachzuschärfen, um unseren Alleinstellungscharakter noch deutlicher zu machen. Denn das zweite Mandat war in Reichweite. Und vermutlich hat uns der Antritt der Kleinstpartei “Die Linke” das zweite Mandat gekostet.

Was wir noch zu lernen haben?

Der Erfolg in Salzburg bleibt vorerst nur ein Kieselstein – von einem politischen Erdrutsch für eine starke Linke sind wir noch weit entfernt. Hier gilt es für KPÖ PLUS vor allem darauf zu achten, ein realistisches Erwartungsmanagement zu betreiben, um nicht Frustrationen der WählerInnen auf sich zu ziehen. Vielmehr muss jetzt hervor gestrichen werden, wie sehr es den Druck jenseits der Parlamente braucht, damit Stimmen im Gemeinderat auch Gewicht haben können.

Und wir sollten auch einige kritische Punkte festhalten, die unseren Erfolg gemindert haben. Auch wenn auf allen Ebenen großartige Arbeit geleistet wurde, gibt es noch Luft nach oben. Wir müssen uns noch klarer über lokale Zielgruppenarbeit werden und unsere Planungsfristen nochmals deutlich verlängern. Kurzfristigkeit kostet uns Geld und schlägt sich auch auf unsere Wahrnehmbarkeit nieder. Aber auch organisatorische Konflikte im Wahlbündnis müssen wir in Zukunft schon vorab abfedern. Die Art, wie von Einzelnen der lokalen KPÖ die Zusammenarbeit gehandhabt wurde, hat unnötig Energien geraubt. Das heißt auch, die Organisationsfähigkeit und Klarheit über Kompetenzen bei den nächsten Malen härter einzufordern.

Für Junge Linke heißt das, den Erfolg als Ansporn zu nehmen, weitere Unternehmungen noch besser und langfristiger zu planen. Die Wahl in Salzburg war ein hartes Ringen und doch in der Stadt mit der besten Ausgangsposition. Nicht überall werden SPÖ und FPÖ, mit denen wir am härtesten um Stimmen konkurrieren, so schwach sein wie bei dieser Wahl. Welche Wahlkämpfe für uns in Zukunft Priorität haben, was es bis dahin alles zu tun gilt und welche Taktik wir damit weiter fahren wollen, wird unsere Diskussion der nächsten Monate prägen. Wichtig ist jedenfalls, dass wir uns nicht auf diesem Erfolg ausruhen: Denn die nächsten Herausforderungen in und jenseits von Wahlkämpfen werden schwieriger werden.

Nutzen wir die Chancen die sich bieten!

Zusammenfassend ist Salzburg ein großes Zeichen der Hoffnung, eine wertvolle Erfahrung voller schöner und trauriger Erlebnisse und etwas, das uns Mut machen kann. Die Menschen warten nicht auf einen linken Messias, aber sie sind ansprechbar für ehrliche Botschaften. Es hat sich gezeigt, dass für viele die konkrete Position zwar ansprechend, aber gar nicht entscheidend war: Entscheidend im persönlichen Gespräch war klar zu machen, was uns selber antreibt und dass wir anders sind als die anderen Parteien. Wir müssen zeigen, dass es uns um etwas geht und mit dieser Leidenschaft in organisierter Form vielfältig auf andere Menschen zugehen. Vielleicht werden wir diesen Erfolg so schnell nicht wiederholen können. Aber wenn wir an ihn anknüpfen, liegen viele Möglichkeiten vor uns: Nutzen wir sie!

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp