Knackige, politische Analyse zu den wichtigsten Nachrichten

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Ukrainekrieg: Wie isoliert ist Russland wirklich?

Angesichts des Einmarschs in die Ukraine scheint die „westliche Welt“ geeinter denn je zu sein. Selbst EU-Staaten mit engen Wirtschaftsbeziehungen zu Russland sind bereit, einen umfassenden Wirtschaftskrieg mitzutragen. Auch über die Westbündnisse hinaus hat Russland eine scheinbar heftige Schlappe hinnehmen müssen: Die UN-Generalversammlung hat bei nur vier Gegenstimmen eine Resolution verabschiedet, die den russischen Einmarsch klar verurteilt.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich ein komplexeres Bild. Staaten wie China, Indien und Südafrika sind im Block der Enthaltungen vertreten, der 35 Länder und über die Hälfte der Weltbevölkerung vertritt. Selbst unter jenen Staaten, die für die Resolution gestimmt haben, findet sich etwa mit Brasilien ein gewichtiger Player, der seine Neutralität betont. 

Grund dafür sind wirtschaftliche und politische Verstrickungen – Lateinamerika ist etwa auf russische Düngemittel angewiesen. In Afrika dient Russland einigen Staaten als Waffenlieferant, entsendet sogar Söldnertruppen und investiert beträchtliche Summen. China und Indien haben auch kein Interesse, es sich mit Russland zu verscherzen. Das wirft die Frage auf, ob ein neuer Machtblock entsteht, der die Sanktionen gegen Russland abfedern könnte. Der Schaden dürfte jedoch zu groß sein, um etwa durch Handel mit China aufgefangen werden zu können. Und auch, wenn viele Staaten sich nicht gegen Russland stellen wollen, ist ihnen klar, dass sie auch vom Wohlwollen des Westens abhängig sind. Die nächsten Jahre werden wohl eine widersprüchliche und unberechenbare Verschiebung der weltweiten Kräfteverhältnisse mit sich bringen.

German Foreign Policy berichtet über den bisher begrenzten Erfolg der westlichen Bemühungen, Russland auf der weltweiten Ebene komplett zu isolieren.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell spricht mit dem Standard über seine Vorstellungen zur imperialistischen Rolle der EU in der Ukrainekrise.

Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze legt dar, warum eine vertiefte russisch-chinesische Partnerschaft wohl nicht genügen wird, um die Sanktionen gegen Russland abzufedern.

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