The Big Short: Bis zum Untergang

ECKDATEN:

Regie: Adam McKay
Drehbuch: Adam Mckay, Charles Randolph
Mit Christian Bale, Steve Carrel, Ryan Gosling und Brad Pitt

Der 2015 erschienene Film ‘The Big Short’ taucht tief in die Welt der Finanzmärkte an der New Yorker Wall Street und handelt von der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise 2008 bis zu ihrem Ausbruch, ausgelöst vom Platzen der Finanzblase auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt. Die Ereignisse werden aus der Perspektive verschiedener Investmentbanker erzählt, die – zum Gespött ihrer Umgebung – wagen, einen genaueren Blick hinter die Kulissen des Immobilienmarktes zu werfen und das Anbahnen der Krise erahnen. All das beruht auf den Erzählungen des ehemaligen Bankers Michael Lewis, der diese in einem Buch verarbeitet hat. 

Der autistische Hedgefond-Manager Michael Burry (Christian Bale) entdeckt, dass große Finanzinstitute und Investmentbanken auf der Basis fauler Kredite handeln, die von den Kreditnehmer*innen, die gehofft haben zu günstigen Konditionen ein eigenes Haus kaufen zu können, nicht zurückgezahlt werden können. Bald nach ihm bekommen auch Hedgefond-Chef Mark Baum (Steve Carrel), sowie Jared Vennett (Ryan Gosling), der für die Deutsche Bank arbeitet, Wind davon. Sie alle möchten die drohende Krise zu ihrem Vorteil nutzen und wetten gegen den Immobilienmarkt, während der Rest der Welt scheinbar blind an die Unfehlbarkeit des Marktes glaubt.

Was nach außen wie ein Finanzwunder scheint, da sich Arbeiter*innen dank der unrealistischen Kreditvergabe den Traum eines Eigenheims erfüllen können, bläht sich im Schatten zu einer Blase auf, die zum Platzen verdammt ist, und umso schlimmere Folgen mit sich bringt.

Hat man sich erst einmal durch die Komplexität der geschilderten Geschehnisse und viel finanzwirtschaftliches Fachjargon gekämpft, entfaltet der Film seine Wirkung und wirft Licht auf mehrere interessante Aspekte in Hinblick auf das weltweite Wirtschafts- und Finanzsystem.

Der Film zeigt auf, was sich nach der Deregulierung der Finanzmärkte seit den 1980er Jahren angebahnt hat: Sie ermöglichte es Finanzinstituten, immer neue Finanzprodukte zu kreieren, die hochspekulativ sind und, wie im Film gezeigt, kaum von den zuständigen Behörden und Kontrollinstanzen überprüft werden. Dieses Risikogeschäft mündete letztendlich in die fatalste Wirtschaftskrise seit 1929, die durch drastische Kürzungsmaßnahmen – in erster Linie zu Lasten der Bevölkerung – notdürftig abgemildert wurde. Selbstverständlich sind immer wieder auftretende Krisen eine inhärente Eigenschaft des kapitalistischen Wirtschaftssystems, allerdings haben diese Entwicklungen sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die Intensität solcher Krisen maßgeblich erhöht.

‘The Big Short’ schafft es die verworrene Geschichte der Finanzkrise nachvollziehbar zu erzählen und politisch diskutierbar zu machen, wie unsere Finanzmärkte derzeit organisiert sind. Als Linke daraus zu lernen und einen Umgang mit all dem Elend zu finden, das meist Ergebnis solcher Krisen ist, ist eine der drängendsten Aufgaben, die wir für uns daraus mitnehmen können.

Aufgrund der Krise wurden zwar stellenweise neue Regulierungen geschaffen, die aber in den Folgejahren teilweise wieder aufgehoben wurden. Dies führt uns zu einem Aspekt, der nicht explizit vom Film erwähnt wird: Der Einfluss von wirtschaftlichen Interessen auf die Politik. Diese zeigt sich nicht nur in der massiven Deregulierung der Finanzmärkte, sondern auch in der Beschneidung des Sozialstaates, dem Abbau von Arbeiterrechten und der Verschiebung der Steuerlast auf die Masse der arbeitenden Bevölkerung zugunsten der Reichsten und großer Unternehmen in den letzten Jahrzehnten. All dies wäre wohl ohne das massiv betriebene Lobbying seitens ökonomischer Eliten nicht, oder nur in weniger ausgeprägten Umfang, möglich gewesen. 

Betrachten wir die Situation heute, so hat sich nur wenig getan. Obwohl die meisten westlichen Staaten aufgrund der Corona-Pandemie mit einer massiven realwirtschaftlichen Krise konfrontiert sind, befindet sich der weltweit wichtigste Aktienindex, der US-Amerikanische Dow Jones, weiterhin im Höhenflug, und hat vor einigen Tagen seinen bislang höchsten Wert erreicht. Weiterhin ist es Investoren und Unternehmern möglich, mit billigem Geld, welches noch zur Sanierung der Krise von 2008 in den Markt gepumpt wird, massive Gewinne zu erwirtschaften. Wie bereits bei der Krise von 2008 ist es wahrscheinlich, dass die jetzige Krise mit Schulden finanziert wird, die über einen weiteren Abbau des Sozialsystems und öffentlicher Dienstleistungen saniert werden. Dabei sprachen kritische Ökonomen bereits 2019 von einer erneuten massiven Blasenentwicklung am Finanzmarkt, was angesichts des Dow Jones Höhenflugs selbst für Laien immer plausibler erscheint und es daher wohl nur eine Frage der Zeit ist, bist die nächste Finanzkrise vor der Tür steht und von der arbeitenden Bevölkerung “ausgebadet” werden muss. 

Die Frage die sich angesichts all dieser entmutigenden Sachverhalte für uns Linke stellt, ist wie wir ohne an den Hebeln der Macht zu sitzen auf die kommende(n) Krise(n) reagieren können. Hierbei darf es nicht bei der reinen Systemkritik oder dem sozialdemokratischen Wunsch nach mehr Regulierung durch gute Gesetzgebung, wie im Film vorgeschlagen, bleiben. Vielmehr sollten wir als Linke darauf setzen, weitere Angebote wie das Lernnetz – die kostenlose Nachhilfe – zu schaffen, die zumindest teilweise in der Lage sind, arbeitende Menschen und Familien in der Krise zu entlasten und neue Perspektiven zu eröffnen und Hoffnung darauf zu schaffen, dass, wenn wir uns organisieren, eine andere Welt möglich ist. 

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, dich mit unserem Wirtschaftssystem und seiner Krisenanfälligkeit zu beschäftigen, nimm doch an unserem Lesekreis “Oops I did it again! – Der Kapitalismus und seine Krisen” teil. Hier diskutieren wir alle genannten Begriffe noch einmal verständlicher und sprechen darüber, welche Perspektiven  sich für die Linke angesichts drohender Krisen bietet.

Da sich der Film mit einem relativ komplizierten Thema auseinandersetzt und viele wirtschaftliche Fachwörter verwendet, erklären wir dir hier nochmal die wichtigsten Begriffe: 

Anleihe: Ein Wertpapier, welches dem Inhaber Anspruch auf die Rückzahlung eines bestimmten Geldbetrags inklusive Zinsen verleiht. 
Hypothek: Eine Methode der Kreditsicherung durch eine Immobilie welche dem dem Schuldner gehört. Ist dieser zahlungsunfähig, wird die mit der Hypothek belegte Immobilie vom Gläubiger gepfändet.
Mortgage Backed Security (MBS): Eine besondere Form von Schulden-Anleihe, welche durch eine Hypothek gedeckt ist. MBS werden wie alle Formen von Schulden danach bewertet, wie sehr die Schuldner in der Lage sind, ihre Schulden fristgerecht zurückzuzahlen. Von “faulen” Krediten (im Film “Subprimes” genannt) spricht man, wenn diese mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zurückgezahlt werden können.
Collateral Debt Obligation (CDO): Ein “Paket” bestehend aus einer Vielzahl von einzelnen MBS, welches als ganzes gehandelt wird. Im Film wird erklärt, wie diese CDOs nach und nach mit immer mehr faulen MBS-Krediten gefüllt wurden, dabei aber weiterhin als qualitativ hochwertig gehandelt wurden. 
Credit Default Swaps (CDS): Ein Finanzinstrument, das einem Gläubiger ermöglicht, sich gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners bei einer Drittperson zu versichern. Im Film erwirbt Michael Burry CDSs bei großen Finanzinstituten, und wettet somit auf eine Zahlungsunfähigkeit der Hauskäufer*innen und in weiterer Folge der Banken.
Deregulierung: Eine wirtschaftspolitische Handlung, bei der Maßnahmen zur Überwachung, Einschränkung und Kontrolle des Marktes aufgehoben werden. Diese Maßnahmen ermöglichten den Investmentbanken, CDOs mit faulen Krediten zu schaffen, ohne “aufzufliegen”.