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Junge Linke

Kampagnenstart: Ihr verbaut uns unsere Zukunft

Die österreichischen Bürgermeister und Bürgermeisterinnen heizen die Klimakatastrophe an. Sie vertreiben mit ihrer Wohn- und Verkehrspolitik die Menschen aus den Zentren der Städte und Gemeinden. Wie kommt das? Statt sich um gutes Leben in der Stadt zu kümmern, schieben die Bürgermeister*innen der größeren Städte den Immobilieninvestor*innen ein Grundstück nach dem nächsten zu. Viele müssen wegen den explodierenden Mieten auf’s Land ziehen. Laut der Statistik Austria hat sich in den letzten Jahren die “Landflucht” umgekehrt: Kleine Gemeinden haben teilweise wieder kräftige Bevölkerungszuwächse, die auf die Preissteigerungen für Wohnen in den Städten zurückgeführt werden können. Der Mangel an leistbarem und lebenswertem Wohnraum in Städten führt so zu unzähligen luftverschmutzenden Autos und verstopft die Straßen, da viele zum Arbeitsplatz pendeln müssen.

Die Bürgermeister*innen der kleineren Gemeinden führen sich dagegen wie richtige Ortskaiser auf. Willkür und Freunderlwirtschaft regieren Österreichs Vororte und Landgemeinden. Während in den Kernbereichen der Gemeinden ständig Bauland ungenutzt bleibt, das bereits an die notwendige Infrastruktur angeschlossen ist, entstehen neue extrem dünn bebaute Gebiete, in denen dann wieder ein Drittel der Grundstücke unbewohnt bleibt. So verschlimmern die Bürgermeister*innen die Zersiedelung und schaffen Anreize für extrem klimaschädliche Wohnformen. Denn je kleiner das Gebäude im Vergleich zu seiner Oberfläche ist (etwa das Einfamilienhaus im Vergleich zur Wohnung im Mehrparteienhaus), desto mehr Energie geht durch Abwärme ungenutzt verloren. Und je weniger Menschen auf einer bestimmten Fläche wohnen, desto größer ist die Energieverschwendung von Infrastrukturnetzen. In zentralen Lagen zu wohnen reduziert den Energieverbrauch durch Autoverkehr aufgrund der guten Öffi-Versorgung mehr als die Hälfte. Es verwenden mehr als 40 Prozent der Österreicher*innen, die in Gemeinden mit weniger als 20.000 Einwohner*innen leben, täglich ihr Auto. In Wien sind es nur 15 Prozent. Häuser die weit voneinander entfernt stehen sind mit den Öffis schwer erreichbar und verteuern gute Anbindungen. Das führt zu noch mehr Autos. Um die vereinzelten Häuser entsteht ein Teufelskreis aus Autoverkehr, Stadtrandbebauung, Einkaufszentren auf der grünen Wiese, neuen Straßen und noch weiter draußen gelegenen Häusern. Wohnen und Verkehr sind der größte individuelle Faktor für die Klimakatastrophe. Wenn wir andere Wohnformen voranbringen, lassen sich die negativen Folgen für die Umwelt mehr als halbieren. Das entspricht im Bereich des privaten Konsums dem absoluten Löwenanteil, um die Klimakatastrophe zu stoppen.

Die Klimakatastrophe ist hausgemacht

 

Heutzutage muss man oft mehr als 50% des Einkommen für die Miete zahlen – da bleibt nur mehr wenig für Freizeit, Kultur und Familie. Nur mit öffentlichem Wohnbau können die Mietpreise wieder verringert werden. Soziale Wohnpolitik ist auch wirksamer Klimaschutz. Eine Wohnung in einer Siedlung oder einem Mehrparteienhaus verbraucht beim Heizen weniger Energie und kann besser mit öffentlichem Verkehr versorgt werden. Wieso ist das so? Die meisten Einfamilienhäuser sind alt und verbrauchen deshalb sehr viel Energie. Neuere Häuser sind zwar energieeffizienter, aber weil sie immer größer gebaut werden, hebt sich dieser Effekt pro Person im Durchschnitt wieder auf. Die Wohnfläche in Neubauten ist von 1990 bis 2017 um fast 40% angestiegen. Außerdem brauchen freistehende Häuser bis zum Zehnfachen der Fläche einer Wohnung in einem durchschnittlichen Mehrparteienhaus. Und schließlich verbrauchen Wohnungen in Mehrfamilienhäuser (drei bis sieben Stockwerke) nur ca ein Fünftel der Energie, die für Infrastruktur (Straßen, Kanäle, Strom, Heizsystem) für ein Einfamilienhaus aufgewendet werden muss. Mehrfamilienhäuser sind also gut für das Klima. Trotzdem wohnen über 40% der Österreicher*innen in Einfamilienhäusern – ob freiwillig oder nicht.

Das kommt uns teuer. Das Geld, dass unnötig für die Errichtung  und Erhaltung von Straßen, Kanal, Wasserversorgung. Kindergartenbus, Heimhilfe aufgewendet werden muss, fehlt für andere Projekte der Gemeinden. Diese Wohnpolitik ist teuer und hat Mitschuld an der Klimakatastrophe. Sie entsteht dort, wo Bürgermeisterinnen und Bürgermeister den Traum vom Einfamilienhaus einbetonieren, statt für ein gutes Leben in den Stadtzentren und Ortskernen zu sorgen.

Soziale und lebenswerte Städte

 

Die Fragen von Wohnen und Verkehr sind also eine soziale und eine ökologische Frage. Sie hängen auch eng mit Fragen gesellschaftlicher Gerechtigkeit zusammen. Menschen mit niedrigen Einkommen verbrauchen mit ihrem Lebensstil viel weniger Ressourcen als Wohlhabende. Die reichsten 10 % verbrauchen mehr als doppelt so viel wie die ärmsten 10%. In den Bereichen Wohnen und Verkehr ist dieser Unterschied noch größer: Die Reichsten verbrauchen das Drei- bis Vierfache an Energie im Vergleich zu den Ärmsten. Und die Wohnpolitik der österreichischen Bürgermeister*innen ist heute Politik für die Wohlhabenden. Die aktuelle Verkehrspolitik bestraft die Ärmsten darüber hinaus noch, indem sie Öffis auf der Strecke lässt und teuer macht, während die Automobilindustrie von der Zersiedelung profitiert.

Daher sind wir für eine Kehrtwende in Österreichs Wohnpolitik. Die Bürgermeister*nnen brauchen Mut zu schönem und nachhaltigem öffentlichen Wohnbau. Es braucht eine Orientierung an der erfolgreichen Wohnbaupolitik des Roten Wiens. Damals war es eine gesellschaftliche Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Menschen ansprechenden und lebenswerten Wohnraum zur Verfügung haben, statt sie den Immobilienmärkten auszuliefern. Das geht nur mit dem Gemeindebau, der nahezu allen Menschen zur Verfügung steht, aber das Eigentum der Gesellschaft bleibt.

Wir wollen soziale und lebenswerte Städte. Den Gemeindebau zum attraktivsten Wohnraum zu machen ermöglicht soziale Gerechtigkeit und umweltschonendes Wohnen in einem. Deshalb braucht es öffentlichen Wohnbau in allen Orten Österreichs. Mehr Gemeindebau ermöglicht auch den Menschen ein schönes Wohnen, die es sich sonst nicht leisten können. Das bedeutet, wir müssen eine massive Erhöhung des öffentlichen Wohnbaus erreichen. Wenn die Bürgermeister*innen eine besseren Zukunft wollen, müssen sie eine andere Wohnbaupolitik machen.

 

Deshalb fordern wir:

 

Gemeindebau-Offensive jetzt!
Wir fordern einen Gemeindebau in jeder Gemeinde, jeweils 15.000 Gemeindewohnungen für Salzburg und Innsbruck, 20.000 für Graz und Linz und 40.000 für Wien in den nächsten 10 Jahren. Damit können explodierende Mieten gesenkt und der Bedarf nach leistbaren Wohnungen der nächsten Jahre gedeckt werden.

Errichten wir Paläste für alle!
Wer gemeinschaftlich und umweltfreundlich wohnt, soll belohnt werden: Am schönsten wohnen, zu leistbaren Preisen und in den besten Lagen. Der Gemeindebau muss wieder zum Leuchtturmprojekt werden: Helle, schöne und praktische Architektur mit guter öffentlicher Anbindung.

Gratis Öffis für kurze Wege
Gratis Öffis sind ein wichtiger Schritt für soziale Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit. Gratis öffentlicher Verkehr ermöglicht Mobilität für alle Menschen unabhängig vom EInkommen. Gleichzeitig dürfen nicht die Niedrigverdiener*innen mit teuren Öffi-Preisen bestraft werden, weil die Anbindung an die Vororte so teuer wird.