Morgenpost – 3. August

1. Wie Swarovski von Kurzarbeit profitiert – und trotzdem Tausende feuert

Seit Jahren versucht Swarovski, Personal abzubauen und seine Produktion in Billiglohnländer zu verlagern. Nachdem Millionen öffentlicher Gelder über Kurzarbeit abgesahnt wurden, werden jetzt weitere 1000 Angestellte nach Ende ihrer Kurzarbeit gefeuert. Bis 2022 soll ein Drittel der gesamten Belegschaft am Standort Wattens entlassen werden. Und das obwohl die Kurzarbeit eigentlich Arbeitslosigkeit verhindern sollte. Die Gewerkschaften vermuten neben dem ganz legalen Abgreifen von Steuergeldern in Form der Kurzarbeit, dass es bei der Abrechnung auch noch zu Unregelmäßigkeiten zweifelhafter Legalität gekommen sein soll. Für die Abfederung der plötzlichen Arbeitslosigkeit soll die öffentliche Hand einspringen – und damit wieder der Swarovski-Profit auf Kosten aller geschaffen werden.

Erst letzte Woche wurde eine sechsmonatige Verlängerung der Kurzarbeit beschlossen, die auch Swarovski für die verbliebenen Angestellten nochmal in Anspruch zu nehmen gedenkt. Der Bedarf nach Kurzarbeit erhöht sich wieder: Bei der Industrie kommt die Corona-Krise oft erst jetzt richtig an, nachdem die Altaufträge aus Vor-Coronazeiten abgearbeitet wurden. Auch wenn die Kurzarbeit, trotz spürbarer Gehaltseinbußen, die Folgen der Krise für Arbeiter*innen zunächst abfedern kann, wird sie einmal auslaufen. Die Folgen der Krise können nicht auf ewig aufgeschoben werden. Swarovski zeigt, dass die Unternehmen keinesfalls der Meinung sind, dass wir in dieser Krise alle “im selben Boot“ sitzen. Die Angriffe der Unternehmer*innen auf die Arbeiter*innenschaft werden in den nächsten Monaten mit staatlicher Unterstützung wohl weiter zunehmen.

Der Kontrast-Blog über die umfassenden Pläne Swarovskis, über Massenkündigungen und öffentliche Gelder seine Profite zu steigern
Ein Bericht im Standard über den möglichen Kurzarbeitsmissbrauch Swarovskis, dem die Gewerkschaften derzeit nachgehen
Der Standard erläutert die Neuerungen im verlängerten Kurzarbeitmodell, das mit Ende der Semesterferien auslaufen soll

2. Hitlers Geburtshaus: Kein erstes Opfer 

Hitlers Geburtshaus in Braunau soll in eine Polizeistation umgebaut und dadurch “neutralisiert” werden. So will es zumindest der österreichische Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Die im April dazu vorgestellten Pläne sorgen seither für reichlich Aufruhr in der österreichischen Gedenkpolitik. Junge Linke nehmen die aktuelle Debatte um den Umbau zum Anlass, um im Podcast “Kein Katzenjammer” darüber zu sprechen, wie Gedenkpolitik in Österreich stattfindet und welche politischen Funktionen Gedenken – sowohl für die Rechte, wie für die Linke haben können.

Die bis heute nachwirkende Erzählung, Österreich sei das erste Opfer des Nationalsozialismus gewesen, zeigt uns wie stark der Impuls war die nationalsozialistische Vergangenheit als Problem der Anderen zu erzählen.. Die Erinnerungskultur in Österreich ist von Abgrenzung und Duldung der NationalsozialistInnen geprägt – das Moto war und ist:  Erinnern und Vergessen. So auch im Fall Hitlers Geburtshauses. Weder ein Ort der Täter noch der Opfer, stellt das Haus die Frage wie nun mit seiner Vergangenheit und Zukunft umzugehen sei. 

Für uns Linke muss das Erinnern seit jeher die Aufgabe erfüllen, zu verstehen, wo wir gescheitert sind und, wie es soweit kommen konnte. Das Vergangene verdrängen zu wollen ist falsch , sondern beraubt uns auch der Möglichkeit daraus zu Lernen.

Kein Katzenjammer: der junge linke Podcast zu Hitlers Geburtshaus 
Geschichte des Opfermythos in Österreich
Überblick zur Diskussion um Hitlers Geburtshaus

3. Altersarmut ist weiblich: Frauen bekommen nicht mal halbso viel Pension wie Männer

Letzte Woche machte der „Equal Pension Day“ darauf aufmerksam, dass Frauen im Schnitt 42% weniger Pension bekommen. Das entspricht einer Summe von 825€ und ist eine direkte Folge dessen, wie ungerecht wir Arbeit zwischen den Geschlechtern aufteilen und entlohnen. Frauen verrichten den Großteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit und können deshalb sehr oft nur Teilzeit arbeiten. Weil das Pensionssystem aber an bezahlter Vollzeitarbeit ausgerichtet ist, droht dem Großteil der Frauen im Alter Armut. Im Schnitt haben Frauen außerdem 10 Beitragsjahre weniger als Männer, weil sie Betreuungspflichten übernehmen. Nur die wenigsten erreichen die 45 Jahre Versicherungsjahre, die 80% des Lohnes garantieren. 

Von Frauen dominierte Berufe sind außerdem in der Regel schlechter bezahlt, was auch bei Vollzeitbeschäftigten zu einem Gehaltsgefälle führt. Die Corona-Krise bringt nun zusätzliche Mehrbelastungen für Familien und hohe Frauenarbeitslosigkeit. Das hat für viele gravierende Folgen im Alter – die ohnehin niedrigeren Pensionen drohen nochmals zu sinken. 

Veronika Bohrn-Mena zu Altersarmut von Frauen 
Die Wiener Zeitung zum Rückgang der Pensionen aufgrund von Corona 
Warum Frauen weniger verdienen als Männer