Morgenpost – 28. Juni

  1. Erster Hitzetod: Sterben am Bau als Normalität?

Letzte Woche gab es den ersten Hitzetoten des Jahres auf einer Baustelle. Ein 46-jähriger Familienvater brach zusammen und verstarb schließlich im Krankenhaus. Wegen der immer heißeren Sommer werden Langzeitschäden und Hitzetod am Bau in Zukunft wohl noch zunehmen. Dabei ist die rechtliche Lage katastrophal: Der Grenzwert, ab dem Hitzefrei gegeben werden kann, liegt bei 32,5 Grad im Schatten; bis 2019 waren es sogar noch 35 Grad. (Zum Vergleich: In Büros müssen schon ab 26 Grad Maßnahmen getroffen werden.) Wird in der Sonne gearbeitet und womöglich 150-200 Grad heißer Asphalt aufgetragen, liegt die faktische Temperatur natürlich schnell weit darüber. Außerdem haben Arbeitende keinen Rechtsanspruch auf Unterbrechung der Arbeit, Hitzefrei können nur die Vorgesetzten anordnen. In dem Fall bekommen Arbeiter:innen auch nur 60 Prozent des Lohnes, dem Unternehmen hingegen werden diese Kosten vollständig aus der Urlaubs- und Abfertigungskasse abgegolten. 

Die derzeitige Regelung ist ein Abkommen der Sozialpartner. Der komplett zahnlose Pakt zeigt wieder, wie nachsichtig die Gewerkschaften bei der körperlichen Zerstörung durch Arbeit sind. Dementsprechend bleibt Josef Muchitsch, dem Vorsitzenden der Bau-Holz-Gewerkschaft und SPÖ-Nationalrat, nach dem entsetzlichen Hitzetod letzte Woche nichts übrig, als an die Gunst der Unternehmer:innen zu appellieren. In einer Presseaussendung mit dem halbherzigen Titel “Muss das sein?” pocht er auf den Eigennutz der Unternehmerseite, sich die eigenen Arbeiter:innen nicht durch die Hitze ruinieren zu lassen. Anlass dafür, die festgesetzte Höchsttemperatur zu senken oder die Hitzeregel rechtlich verbindlich zu machen, sieht er aber im tragischen Tod des Familienvaters noch nicht.

Der ÖGB schreibt in einer Aussendung über den ersten diesjährigen Hitzetod am Bau.

Der ORF Steiermark berichtet über den Vorfall.

Der Kontrast Blog berichtet über die tödliche Praxis bei Hitze am Bau.

  1. Hagel, Sturm, Tornado: Unwetter als Symptom der Klimakrise

Nachdem das Thermometer seit über einer Woche in Österreich regelmäßig Temperaturen über 30 Grad anzeigt und sich das in den kommenden Tagen wohl nicht ändern wird, entluden sich letzte Woche die ersten großen Sommergewitter. Diese waren jedoch – ähnlich wie die Hitzewelle selbst – ungewöhnlich stark. Faustgroßer Hagel hat etwa in Oberösterreich Dächer zerstört und für Sachschäden in Millionenhöhe gesorgt, Vertreter:innen der Hagelschutzversicherung sprechen von 9 Millionen Euro Schaden alleine in der Landwirtschaft. Doch verglichen mit einem Blick über die Grenze kam Österreich noch glimpflich davon. In Tschechien wütete am Donnerstagabend ein Tornado, der mehrere Tote sowie hunderte Verletzte forderte. Infolgedessen musste in den Tagen darauf sogar ein Block des Atomkraftwerks Temelin heruntergefahren werden, da die schweren Gewitter hier für Schäden gesorgt haben. 

Die Unwetterhäufung ist jedoch kein Zufall. Laut Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb kann man von einem Zusammenhang zwischen der Klimakrise und den Gewittern und Tornados ausgehen. Einerseits entsteht durch das Erwärmen der Lufthülle mehr Energie, die sich dann entlädt, andererseits kann die wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen – die Konsequenz sind dann Regenfälle, Gewitter, Hagel oder eben sogar Tornados in Regionen, in denen es diese bis dato kaum gab. Auch Meteorolog:innen warnen davor, dass wir in den nächsten Jahren mit verstärkten thermodynamischen Effekten rechnen müssen. Die letzten Tage haben so eindrücklich wie kaum zuvor gezeigt, wie sehr die Klimakrise bereits Realität geworden ist. 

Im ORF wird über den Tornado in Tschechien berichtet.  

Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb warnt vor Unwetterhäufungen als Konsequenz der Klimakrise.  

Mehr Wetterextreme seien in Zukunft so sicher wie das „Amen im Gebet“, meint ein Meteorologe.

  1. Wohnen: Ein teures Menschenrecht 

Wohnen ist schon lange ein politisches Kampffeld und gerade in den letzten Jahren wieder verstärkt zu einem Thema handfester politischer Auseinandersetzung geworden. Die Mietpreise steigen stetig und Mieter:innen stehen ihren Vermieter:innen oft hilflos gegenüber. Immobilienfirmen sitzen in Auseinandersetzungen mit Mieter:innen auf dem längeren Ast. In der Pandemie hat sich die Situation für viele noch einmal verschärft. Vor allem junge Menschen und prekär Beschäftigte verloren ihre Jobs und hatten schlagartig keine Einkommen mehr, mit denen sie ihre Miete bezahlen konnten. Zwar wurde ein Gesetz erlassen, das es ermöglichte im Jahr 2020 die Mieten für einige Monate aufzuschieben, doch diese wurden nun alle auf einmal fällig, inklusive 4% Zinsen. Diese enormen Kosten sind oft erst recht nicht leistbar und die Arbeiterkammer geht davon aus, dass 17.000 Menschen in naher Zukunft von Delogierung betroffen sein werden.

Die Pandemie zeigt deutlich: Armutsgefährdete Menschen werden am härtesten getroffen. Sie leben am häufigsten in überbelegten Wohnungen und viele müssen mehr als 40% ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben. Dadurch hat ein ein Einkommensverlust durch Kurzarbeit oder gar Kündigung natürlich noch schneller schlimme Auswirkungen. 

In der neuen Folge “Kein Katzenjammer” spricht Claudia Klimt-Weithaler mit Flora Petrik über die Situation für Mieter:innen in Österreich.

Der A&W Blog berichtet über Armut und Wohnungslosigkeit in der Pandemie.

Das Jacobin Magazin beschreibt die Geschichte sozialer Wohnpolitik.