Morgenpost – 16. August

  1. Schlimmer geht’s immer? Der neue Weltklimareport ist da!

Die IPCC, zu deutsch auch oft Weltklimarat genannt, ist eine Organisation der UNO und veröffentlicht alle sechs Jahre einen Bericht über den aktuellen Stand der Erderhitzung.. Vergangene Woche war es zum sechsten Mal soweit. Für den Report werden tausende Studien ausgewertet und er soll darlegen, wie der menschengemachte Klimawandel mit Extremereignissen wie Dürrewellen, Hitzekuppeln oder enormen Regenmassen zusammenhängt. Das Papier zeigt, dass die Situation noch angespannter ist als erwartet. 

In Österreich ist die Durchnittstemperatur bereit jetzt um zwei Grad im Vergleich zu vor der Industrialisierung gestiegen, Ende des Jahrhunderts werden es bis zu fünf sein. 

Wie stark sich die zwei Grad in Österreich bereits auswirken, sieht man gut an den Hitzetagen mit mindestens 30 Grad. So gab es im Zeitraum 1961 bis 1990 im Schnitt mit nur elf, halb so viele Hitzetage als zwischen 1991 und 2020, bis Ende des Jahrhunderts sollen sich aber auch diese nochmal verdreifachen. Die Klimazonen haben sich derart verschoben, dass Wien bereits heute so viele Hitzetage hat wie Rom vor 50 Jahren.

Durch den Klimawandel verliert auch der “Mexikostrom” an Zugkraft, da er durch den Temperaturunterschied des Äquators zu den Polen entsteht und dieser immer weniger wird, da die Arktis zu die am schnellsten erwärmenden Regionen der Erde gehört. Hochs und Tiefs halten sich länger, wodurch die etwas paradox wirkende Situation entsteht, dass wir gleichzeitig längerer Dürreperiode als auch stärkeren Niederschlägen ausgesetzt sind. Konkrete Forderungen stellt der Report jedoch nicht, er soll als Vorlage  für die nächste Weltklimakonferenz in Glasgow 2021 dienen. Ob das alarmierende Papier ein Weckruf für die handelnden Politiker:innen sein wird, bleibt jedoch mehr als fraglich.

Die Presse berichtet über den IPCC-Report

Raphaela Bauer war im Podcast „Kein Katzenjammer“ über dieses Thema zu Gast

Der Tagesspiegel berichtet wie die Klimaerwärmung zu den Wetterextremen führt

  1. Unehrlich und unbeholfen: Grüne decken türkise Machtübernahme im ORF

Letzte Woche wurden im österreichischen Rundfunk die Weichen neu gestellt. Nach 15 Jahren verliert Alexander Wrabetz seinen Posten als Generaldirektor des ORF an den ÖVP-Günstling Roland Weißmann. Bemerkenswert ist dieser Machtwechsel vor allem, weil Kurz eigentlich keinen Grund hat, eine inhaltliche Kehrtwende im ORF anzustreben. Wrabetz war stets bemüht, nirgendwo anzuecken. Der Personalwechsel passiert wohl vor allem aus zwei Gründen: Zum einen hat die ÖVP seit kurzem im Stiftungsrat des ORF die absolute Mehrheit und kann damit im Alleingang den Chefposten besetzen. Zum anderen wird in den kommenden Monaten ein gemeinsamer Newsroom für Website, Radio und Fernsehen gegründet und hunderte Jobs im Rundfunk werden neu besetzt. All das ermöglicht es der ÖVP, sich strukturell noch tiefer im öffentlichen Rundfunk zu verankert. Die Machtübernahme von Weißmann muss wohl eher als langfristiges Projekt gesehen werden.

Überraschend war hingegen für viele, dass die Vertreter:innen der Grünen geschlossen für den ÖVP-Kandidaten gestimmt haben, der ihre Zustimmung gar nicht brauchte. Hintergrund davon ist laut der grünen Nationalratsabgeordneten Eva Blimlinger, dass ihrer Partei im Gegenzug zwei der Vier Direktor:innenposten im ORF versprochen wurden. Offiziell wurde dieser Kuhhandel von ÖVP und Grünen natürlich unmittelbar dementiert.

Der Deal der Grünen mit der ÖVP ist nicht nur unehrlich, sondern vor allem schlechte Machtpolitik: Die ÖVP und vor allem der neue ORF-Chef verwenden die Grüne Zustimmung bereits als Beweis für die Überparteilichkeit von Weißmann. Gleichzeitig besitzen die Grünen in der Angelegenheit keine reale Machtposition, wodurch sichergestellt ist, dass die langfristigen machtpolitischen Pläne der ÖVP durch die Besetzung der Direktor:innenposten nicht durchkreuzt werden.

Einen Überblick darüber, wie die ORF-Wahl die Grünen entzweit, gibt der Standard.

Der Standard berichtete bereits im April über die Hintergründe des Machtkampfes im ORF.

Ein alternatives Szenario der türkisen ORF-Übernahme beschreibt die Tagespresse.

  1.  Linke Theorie – der Junge Linke Podcast

Während unser “Kein Katzenjammer” Podcast eine Woche Sommerpause macht, nutzen wir die Zeit um auf den zweiten Junge Linke Podcast aufmerksam zu machen! Im Linke Theorie Podcast werden zentrale Begriffe, Konzepte und Debatten der Linken kurz und knackig auf den Punkt gebracht.

Die erste Folge verhandelt gleich eine große Frage: Was ist eigentlich Kapitalismus? In 15 Minuten erklärt Sarah Pansy, was genau Kapitalismus ist, wieso er so widersprüchlich ist und wieso wir Linke ihn kritisieren. Daran anschließend thematisiert die zweite Folge Arbeit und im speziellen die Frage, welche Funktion Arbeit im Kapitalismus erfüllt. Von der Arbeit geht es dann zum Begriff der Klasse. Was meinen wir Linken eigentlich, wenn wir von Klassen sprechen? Warum wollen wir sie abschaffen, aber gleichzeitig die Arbeiter:innenklasse vertreten? Abgerundet wird die erste Staffel Linke Theorie noch von einer Folge zum Finanzsektor und der Frage, welche Rolle dieser im Kapitalismus einnimmt.

Während die erste Staffel grundlegende Frage der Funktionsweisen des Kapitalismus beantwortet, dreht sich in der zweiten Staffel alles um das Verhältnis der Linken zu nationalen und internationalen Fragen. In weiteren vier Folgen beschäftigt sich Miriam Frauenlob mit den Themen Staat, Nation, Migration und Menschenrechten. Warum wird Migration von den Rechten so angegriffen, wenn sie doch eigentlich immer schon existierte? Wie stehen wir Linke zum Staat? Ist er ein Instrument der herrschenden Klasse, oder können wir ihn als Linke für unsere Zwecke nutzen. Wem nützen die Menschenrechte und gehen sie weit genug? Und welchen Zweck erfüllt Nationalismus für den Kapitalismus? Mit diesen Fragen befassen sich die Folgen der zweiten Staffel Linke Theorie. Wer schon alle Folgen gehört hat, kann sich auf den Herbst freuen: Dann kommt Staffel drei!

Alle Folgen „Linke Theorie“ auf der Website der Jungen Linken

Der Trailer für Linke Theorie auf Facebook

Linke Theorie kann man überall hören, wo es Podcasts gibt