Morgenpost – 1. Juni

1. Mord an George Floyd: Rassistische Unterdrückung im amerikanischen Kapitalismus 

Letzten Montag wurde der 46-jährige schwarze George Floyd von Polizisten brutal ermordet. Ein Handyvideo einer Passantin zeigt, wie ein weißer Polizist minutenlang auf Floyds Hals kniet und selbst als dieser das Bewusstsein verliert nicht von ihm ablässt.  Seit dem Vorfall kommt es in Minneapolis zu großen Protesten und Demonstrationen und die letzten Worte von Floyd – „I can‘t breathe“ – sind überall im Internet zu lesen. 

Dass Schwarze in den USA vermehrt Opfer von Polizeigewalt werden, ist eine traurige Tradition und die Geschichte des amerikanischen Kapitalismus ist eng mit Rassismus verbunden. Auch nach Abschaffung der Sklaverei waren Schwarze auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens benachteiligt und sind auch heute noch tendenziell ärmer und häufiger arbeitslos als Weiße. Im Zusammenhang mit der generellen Unterdrückung von Armut betroffener Menschen im Rahmen einer brutalen Neoliberalisierung, unter denen auch aus historischen Gründen besonders viele AfroamerikanerInnen sind, und rassistischen Vorurteilen gegenüber Schwarzen, die bis heute nachwirken, werden Schwarze auch überproportional oft Opfer von Polizeigewalt.

2. Die schleichende Abschaffung der Matura: Warum das Bildungssystem trotzdem mies bleibt

Coronabedingt ist die Matura heuer etwas anders ausgefallen: Die Note im Jahreszeugnis und die Maturaprüfungsnote zählten zu gleichen Teilen. Den Effekt, dass man auch mit negativer Prüfungsnote die Matura erlangen kann, haben sich einige MaturantInnen zunutze gemacht und einfach einen leeren Zettel abgegeben. Das Entsetzen ist groß. Ein Direktor meint gar: „Da kann man die Matura gleich abschaffen“. Er hat einen Punkt: Wozu braucht es die Matura eigentlich noch? VerteidigerInnen wie KritikerInnen der Matura sehen in ihr in erster Linie ein Ritual. Für SchülerInnen ist dieses Ritual ein Alptraum und als Maßstab für ihr Können ist es wenig aussagekräftig. Selbst ein ÖVP-Bildungsexperte plädierte heuer für die Abschaffung der Matura.

Für SchülerInnen ist das eine gute Entwicklung. Doch eine Abschaffung der Matura würde nicht das Ende des Leistungs- und Konkurrenzdenkens bedeuten. Wenn selbst bürgerliche Stimmen für ein Ende der Matura plädieren, dann weil sie wissen, dass immer mehr Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen ihren Zweck ohnehin besser erfüllen. Die MaturantInnenquote ist in den letzten 50 Jahren von zehn Prozent auf über 40 Prozent gestiegen: Die Matura ist also nicht einmal mehr ein tauglicher Marker für das Dazugehören zur Elite, deren Bewahrung hinter vielen rückschrittlichen Aspekten des Schulsystems wie etwa der Ablehnung der Gesamtschule steht. Für die Vorsortierung und Zurichtung auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes wäre also auch ohne Matura auf jeden Fall gesorgt. In der Bildung im Kapitalismus ist und bleibt die umfassende Entfaltung der Persönlichkeit bestenfalls ein Nebeneffekt.

3. Wachsender Leistungsdruck in Schule und Arbeit während der Corona Krise

Die Corona-Krise sorgt dafür, dass die Zukunftssorgen vieler Menschen gewachsen sind: Angst vor Ansteckung und die Sorge um Verlust des eigenen Einkommens vermischen sich mit Vereinsamung und Vereinzelung. Gerade für Menschen, die bereits an psychischen Problemen leiden, ist die Einschränkung der sozialen Kontakte eine große Belastung. Doch während wir unsere sozialen Kontakte zurückfahren mussten, ging die Arbeit weiter. Leistungsdruck, Unsicherheiten im Job, keine ruhige Sekunde an Supermarktkassen und in Krankenhausgängen – all das bedeutet Stress und psychische Belastung. Dass in der Coronakrise ausgleichende soziale Kontakte fehlen ist nicht alleinige Ursache psychischer Probleme, aber nimmt uns einen der Räume mit solchen Belastungen umzugehen.

Auch Kinder sind schon von klein auf dem Leistungsdruck in der Schule ausgesetzt. Der Stress der Eltern, die die Kinderbetreuung neben der Arbeit  schupfen müssen, lässt auch Kinder nicht unverschont. Viele Kinder wünschen sich allgemein mehr Zeit mit ihren Eltern zu verbringen, doch das Homeoffice erlaubt nicht mehr Zeit sondern weniger Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatem. Dass viele in der Coronakrise um ihre Jobs zittern müssen verschärft dabei auch Zukunftsängste, die gerade viele Jugendliche verspüren: Zum Druck in der Schule kommen oft finanzielle Sorgen der Eltern und die Angst später keinen Job zu finden hinzu.